„Kinderklinik Weißensee“

Von Antonia Blum, erschienen im Ullstein Verlag

Historisch fundiert recherchierter und gelungener Roman

Danke an netgalley und den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Der Klappentext klang interessant, das Cover gefiel mir recht gut und ich mag durchaus Romane, die historisch gut recherchiert und Bezug zur Geschichte haben. Wenn dann die Örtlichkeiten auch heute , wenngleich in diesem Fall nur als Ruine, noch existieren, aber sich die Geschichte in den Grundzügen tatsächlich so dargestellt hat, dann ist das durchaus ein Buch für mich. 

So dachte ich zumindest. Und ich wurde nicht enttäuscht. Antonia Blum hat mit Kinderklinik Weißensee einen guten Auftakt einer Geschichte geschaffen, die mir Spaß gemacht hat zu lesen.

Aber von vorn. Das Cover gefällt mir sehr gut, spricht mich an und ist durch seine Schlichtheit überzeugend. Ich erfahre im Roman, warum es dieses Cover ist. Das gefällt mir. 

Der Roman ist flüssig geschrieben, nimmt mich ob der Sprache auch gut mit und lässt mich aufgrund der Geschichte dran bleiben. Ich will wissen,was den beiden Waisenkindern Marlene und Emma widerfährt, welchen Weg sie einschlagen und welche Situationen sie meistern müssen.

Es ist die Zeit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Marlene und Emma sind zwei Schwestern, deren Mutter an Marlenes sechstem Geburtstag verstirbt. Die beiden Mädchen flüchten aus Angst vor dem Waisenhaus und machen sich auf eine Reise in eine unbekannte Zukunft. Aber die „Fürsorge“ findet sie in Berlin und sie kommen dennoch ins Waisenhaus. Aber irgendwie scheint ihr Weg nicht so steinig wie erwartet. Warum? Marlene kann sogar ihr Abitur mache , was für Waisenkinder zur damaligen Zeit schier unmöglich gewesen ist und sie bekommen beide die Chance eine Ausbildung zur Krankenschwester in der Kinderklinik Weißensee zu absolvieren. 

Wir begleiten die beiden Schwestern auf dem Weg durch die Ausbildung, die stark von der strengen Hand der Oberin Polsfuß der Rotkreuzordensschwestern geprägt ist. Marlene und Emma erfahren Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund ihrer Herkunft und ihres “Standes“, erleben ihre erste große Liebe, Enttäuschungen, Sorgen und Nöte der damaligen Zeit, spüren die Unterschiede der verschiedene Klassen am eigenen Leib, haben mit Intrigen zu kämpfen und letztendlich wird ihre Verbundenheit auf eine harte Probe gestellt zumal die beiden Schwestern scheinbar verschieden Vorstellungen ihrer Zukunft haben. 

Der Autorin ist hier aus meiner Sicht ein wirklich guter Roman gelungen, der mich mit auf eine Reise in die Vergangenheit nimmt, mir verdeutlicht mit welchen Sorgen und Nöten die Menschen damals, kurz vor dem ersten Weltkrieg zu kämpfen hatten, welche Klassenunterschiede es gab und wie stark die Leben der Personen, gerade von Frauen, davon abhängig gewesen sind. Und dies alles ist eingebettet in wirklich hervorragend historisch recherchierte Szenen, die so gut be- und geschrieben sind, dass ich das Gefühl habe, ein Teil davon zu sein. Bravourös. Ich freue mich auf den Folgeband. Klare Leseempfehlung. 

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