„Tod im Alten Land“

Von Daniel E. Palu, erschienen im. Emons Verlag

Gut, unterhaltender Krimi mit Charme

„Dieses Röcheln, das Meeresrauschen der arbeitenden Bevölkerung“; was für eine hinreißende Beschreibung für den Klang einer italienischen Kaffeemaschine

Ich war gespannt und neugierig auf diesen Krimi. Zum einen verbindet mich durch meinen besten Freund, eine nun 30 Jahre währende Freundschaft mit Hamburg und dann ist da noch meine Liebe zu Italien und den Italienern, verursacht durch meinen langjährigen Aufenthalt in Ferrara (Emilia Romagna).

 Da ist also der Hauptprotagonist: Hauptkommissar Gabriele Berlotti, liebevoll von einem Mitarbeiter nur „ commissario“ genannt, der zurückkehrt ins Alte Land und ins Haus zu seinen Eltern zieht. Manchmal hat man es nicht leicht mit den Eltern, aber es sind Eltern, wie sie liebenswerter und italienischer nicht sein könnten. Sie meinen es nur gut, sind manchmal anstrengend und laut aber sehr charmant und mit dem, für den Krimi notwendigen Humor. Gabriele Berlotti ist für mich ein, aufgrund seiner Liebe zum Café, sehr sympathischer und charismatischer Kommissar, der sich gerne auf seine Intuition verlässt.

Das Cover finde ich ob seiner Schlichtheit überzeugend und gelungen und der Schreibstil liegt mir aufgrund der spritzigen Art (spritzig wie ein Apfel aus dem Alten Land), sodass sich der Krimi schön flüssig lesen lässt.

Die Handlung ist zunächst nicht allzu kompliziert. Kaum ist der „Commissario“ zurück in Hamburg, geschieht auch schon der erste Mord an einem Journalisten. Und das in der Journalistenstadt schlechthin. Der Mord muss schnellstens aufgeklärt werden, denn es stehen die Hamburger Bürgerschaftswahlen an und so wie es scheint, sind nicht nur Leute aus dem Journalismus in den Kriminalfall involviert sondern auch Politiker. Und hier gelingt dem Autor eine tolle Gratwanderung. Was ist real, was sind Fake-news, wer ist Freund und wer ist Feind, in einer Welt, die nur so von den Schlagzeilen lebt. 

Die Welt des Journalismus scheint eine Löwengrube, ebenso wie die Welt der Politik. Hier hatte ich oft das beklemmende Gefühl, dass, so wie der Autor die Zusammenhänge im Buch beschreibt, auch tatsächlich so sein könnten oder gar sind? Vetternwirtschaft, Machenschaften, Korruption, Erpressung….nur eine Fiktion? Das macht den Krimi spannend und die Handlung ist geprägt von den vielen Verknüpfungen der beschriebenen Personen. Was zunächst ganz klar wirkt, ist dann doch viel komplizierter und verwirrender als angenommen. So bleibt es für mich spannend, wenngleich mir manchmal etwas der „Sog“ in der Geschichte fehlte. Die Arbeit der Polizei wirkt durchaus überzeugend auf mich, nicht zuletzt da der „Commissario“ ein kleines fähiges Team an seiner Seite hat. Natürlich gibt es nicht nur wohl gesonnene Kollegen, sondern auch Neider und Zweifler. Auch die typischen Vorgesetzten dürfen hier nicht fehlen, klar. Aber das gehört dazu  und macht die Geschichte menschlich. Ein weiterer Pluspunkt waren für mich die Bezüge zur Realität, wie sie im Nachwort erklärt sind. 

Alles in allem ein gut unterhaltender Krimi, der mir nicht nur aufgrund der Thematik gefiel sondern m.E. vielmehr von den Protagonisten im Buch lebt. Es ist die Geschichte des Kommissars und seinen Eltern. Einfach menschlich, schlicht und kommt ganz ohne „Schi-Schi“ aus. Toll.

Wer guten Café, Hamburg und Italien mag, für den ist es genau die richtige Lektüre. 

Ich jedenfalls freue mich auf die Fortsetzung und jetzt auf eine gute Tasse Espresso! 

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