„Der Hund und sein Mensch“

von Josef H. Reichholf, erschienen im Carl Hanser Verlag

Leider überhaupt nicht meins

Zunächst einmal vielen Dank an Lovelybooks und den Hanser Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Das Buch „der Hund und sein Mensch – oder wie sich der Wolf und uns domestizierte“ hat ein wirklich ansprechendes Cover. Welcher Hundebesitzer wird nicht schwach beim Anblick eines treuen Weggefährten. Und auch die Beschreibung im Klappentext hat mich neugierig gemacht. Allerdings war es das dann auch schon, was mir am Buch wirklich gefallen hat. Das Buch hat gerade mal 224 Seiten was es in der Tat leicht macht, es in einem Rutsch durchzulesen. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich wirklich gut lesen.

Die Gliederung im Buch ist gut durchdacht und führte mich von einer wissenschaftlichen Seite an das Thema heran. Die Frage, ob nun der Mensch den Wolf gezähmt hat oder der Wolf sich dem Menschen unterworfen hat, bleibt aus meiner Sicht schon mal unbeantwortet. Ja der wissenschaftliche Teil geht zurück zu den Neandertalern, beachtet dabei die Entwicklung auf den Kontinenten, die Geografie, die Klimaverhältnisse und versucht einen Einblick zu geben über die Entwicklung von Mensch und Tier. Aus meiner Sicht bezieht sich der Autor hier auf wissenschaftliche Studien, erwähnt Selbige aber nicht, was es für mich schwer macht die Quellen hierzu selbst nachzuschlagen.

Der etwas angenehmere Teil war definitiv der Rückblick auf seinen eigenen Hund und dessen Geschichte. Wie kam er in die Familie, welche Erfahrungen wurden gemacht bis schließlich hin zum schweren Abschied, der einem jeden Hundebesitzer eines Tages leider zu Teil wird.

Zum Schluss hin wird im Buch nun noch der Unterschied zwischen Hunden und Katzen erläutert, der mich ehrlich gesagt, als Hundebesitzer nicht wirklich interessiert hat. Aber dies ist nur meine eigene subjektive Meinung.

Mir war der erste Teil etwas zu wissenschaftlich, wenngleich wirklich gut und verständlich erklärt. Alles in allem hatte ich mir etwas anderes vom Buch erhofft und so lässt mich das Buch etwas ratlos zurück. Schade.

„Das Gerücht“

von Lesley Kara, erschienen im dtv-Verlag, übersetzt von Britta Mümmler

Spannender Debütroman

„Ein mitreißendes Debüt“ so titelt die Daily Mail, der Sunday Mirror schreibt „ein fantastisches Buch“ und ja, ich kann mich da anschließen. In der Tat, ein wirklich spannender Roman, den ich so nicht erwartet habe.

Lesley Kara hat als Krankenschwester und Sekretärin gearbeitet, Englisch studiert, eine Zusatzausbildung zur Lehrerin gemacht und als Dozentin und Managerin im Bereich Further Education gearbeitet. UND…. sie hat diesen Roman geschrieben.

Kurz zur Geschichte: Die alleinerziehende Joanna zieht mit ihrem kleinen Sohn Alfie in eine englische Kleinstadt am Meer und hier herrscht zunächst absolute Idylle, bis sie eines Tages ein Gerücht aufschnappt. Die Kindermörderin Sally McGowan soll unter anderem Namen in dieser Kleinstadt leben. Joanna erzählt anderen Müttern von diesem Gerücht und ahnt nicht, was sie damit in Gang setzt.

Lesley Kara gelingt mit ihrem Debütroman wirklich Großartiges. Wie oben beschrieben, geschieht hier im Roman nicht „allzu viel“ – lediglich wird nur ein Gerücht in die Welt gesetzt. Aber das reicht definitiv aus. Die Autorin schafft es von der ersten Seite an, einen wirklich hervorragenden Spannungsbogen parat zu haben. Der Schreibstil ist flüssig und verliert sich nie in Wirrungen und bleibt stets klar und nachvollziehbar. Die Geschichte an sich ist zwar einfach aber von Seite zu Seite schafft die Autorin die Spannung nicht nur zu halten, sondern zu steigern. Und das kraftvoll, effektiv und mit Liebe zum Detail, ohne dabei zu weit abzuschweifen oder gar langweilig zu werden. Die Charaktere im Buch sind alle ziemlich undurchsichtig und unscheinbar und bleiben bis zum Ende „verdächtig“ oder auch nicht, weil wir immer nur Bruchteile ihrer Geschichte mit der Salamitaktik erfahren, was mich stets zum Weiterlesen gezwungen hat. Ich konnte/wollte weder aufhören zu lesen, noch das Buch aus der Hand legen. Joanna, die Hauptprotagonistin im Buch ist klar dargestellt und eigentlich die nette Nachbarin von Nebenan. So wie alle Nachbarn im Buch. Alle sind mir irgendwie bekannt, vertraut und ich erkenne mich selbst in dem einen oder anderen Nachbarn, oder ich erkenne einen meiner Nachbarn im Buch. Normale Leut‘ halt. Aber im Laufe der Geschichte macht der Roman etwas mit mir. Ich werde misstrauischer, fühle eine Bedrohung im Roman und schlage mich immer öfter auf die eine oder andere Seite. Mein Pulsschlag erhöht sich, aber plötzlich wendet sich die Geschichte und ich liege völlig falsch. Wie konnte ich mich so täuschen? oder doch nicht? Sind meine Vermutungen und Verdächtigungen richtig und/oder berechtigt oder völlig falsch?

Und dann ertappe ich mich und muss mich an meiner eigenen Nase packen, dass ich auch schon mal an einer Verbreitung eines Gerüchtes beteiligt gewesen bin. Ebenso wie in diesem Buch, nur ohne diese Auswirkungen. Glück gehabt.

Jede Seite dieses Roman ist gefüllt mit Spannung und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich mich bedroht fühle. Ich fühle mit den Protagonisten im Buch mit, rege mich auf und verurteile, werde ein Teil der Geschichte und will helfen. Die Autorin schafft es den Spannungsbogen bis zum Zerreissen zu spannen und dann gipfelt die Geschichte mit Wendungen, die mich sprachlos und etwas geschockt zurück lassen.

Die Geschichte zeigt mir, wie gefährlich es sein kann, wenn ich ein kleines Gerücht, völlig unbedarft weiter tratsche. Wir sollten alle etwas besser darauf achten, was wir wann und vor allem wem erzählen……Aus meiner Sicht ein wirklich spannender, aufregender und absolut lesenswerter Roman! Eine klare Leseempfehlung und für mich ein Highlight dieses Genres in 2020!

„Alles was ich dir geben will“

von Dolores Redondo, erschienen im btb-Verlag, übersetzt v. Lisa Grüneisen

Ein wunderbarer Roman

Vorweg möchte ich sagen, dass es schon eine Weile her ist, dass ich das Buch gelesen habe, aber das ist wirklich ein Buch das nachhallt und das einen wirklich nicht einfach so zurück lässt. Dieser Roman hatte in Deutschland nicht den gleichen Erfolg hatte wie in Spanien, was wirklich schade ist. Dolores Redondos Roman stand monatelang auf der spanischen Bestsellerliste und wurde mit dem Premio Planeta, dem höchstdotierten Literaturpreis des Landes, ausgezeichnet.

Der Roman ist beeindruckend. Wunderschön und wortgewaltig geschrieben, sodass ich jederzeit mit Manuel, dem Hauptprotagonisten mit gefiebert und mitempfunden habe.

Kurz zur Geschichte: Als der Schriftsteller Manuel Ortigosa erfährt, dass sein Mann Álvaro bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, fährt er sofort nach Galicien. Dort ist das Unglück passiert. Dort ist die Polizei auffallend schnell dabei, die Akten zu schließen. Dort stellt sich auch schnell heraus, dass Àlvaro seinen Mann seit Jahren getäuscht und ein Doppelleben geführt hat. Aber was machte Àlvaro in jener Nacht auf der einsamen Landstraße? Zusammen mit einem eigensinnigen Polizisten der Guardia Civil und Àlvaros Beichtvater stellt Manuel nun Nachforschungen an. Eine Suche, die ihn in uralte Klöster und vornehme Herrenhäuser führt. In eine Welt voller eigenwilliger Traditionen – und in die Abgründe einer Familie.

Dolores Redondo beschreibt die Landschaften, den eigenen Weinberg, und die Charaktere im Buch so umfangreich aber nie langatmig oder gar langweilig. Sie sind alle sehr markant herausgearbeitet. Die Geschichte beginnt etwas langsam und der Spannungsbogen beginnt etwas zäh. Jedoch nimmt die Geschichte bald an Fahrt auf, und ist mit vielen Wendungen und Überraschungen gespickt, die ich so nicht erwartet hatte. Im Laufe der Geschichte tun sich in der Tat Abgründe auf, inwieweit Menschen bereit sind alles, aber wirklich alles für den guten Schein und deren adeligen Stand zu opfern. Erschreckend wie wenig Empathie Menschen gegenüber ihren eigenen Familienangehörigen entgegenbringen, nur um den Schein einer intakten Familie aufrecht zu erhalten. Der Roman zeigt uns auch bis zum Schluss, wie groß wahre und echte Liebe auch über den Tod hinaus währt.

Spannend sind auch die kleinen „Nebenschauplätze“ und die vermeintlichen „Nebendarsteller“ mit ihren großartig umschriebenen Charakter, die sich ganz wunderbar ins Gesamtbild der Geschichte eingliedern und mich zu keiner Zeit gelangweilt haben, da ich feststellen musste, dass gerade ohne diese Charaktere der Roman nicht so geworden wäre, wie er nun mal ist. Ein großartiger Roman, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat und ein wirklich lesenswertes Buch ist.

„Altes Land“

von Dörte Hansen, erschienen im Knaus Verlag

Ein anrührender und bezaubernder Roman

Es ist bisher mein erster Roman aus der Feder von Dörte Hansen* und war ihr Debutroman. Kurz zur Geschichte: Seit mehr als sechzig Jahren lebt Vera Eckhoff im Alten Land. Damals als Flüchtlingskind aus Ostpreußen im Alten Land gestrandet und geblieben. Und obwohl Vera Eckhoff nun schon seit sechs Jahrzehnten dort wohnt, scheint sie nie wirklich angekommen zu sein. Dies ist aus meiner Sicht, ebenfalls eine Kernaussage dieses Romans. Wo und was ist Heimat? Wann komme ich an? Und eines Tages stehen wieder zwei „Flüchtlinge“ vor ihrer Tür. Ihre Nichte Anne mit ihrem Sohn Leon. Anne ist aus Hamburg geflohen, wo ehrgeizige „Vollwert-Eltern“ ihre Kinder wie Ausstellungsstücke vorzeigen und wo ihr Mann plötzlich eine Andere liebt. Zudem flüchtet Anne vor ihrer achso perfekten Mutter, die glaube ich ein jeder irgendwie kennt.

In der Geschichte dreht sich auch alles immer wieder um dieses alte Haus, in das Vera Eckhoff gezwungener Maßen damals eingezogen ist und seitdem in diesem alten Haus lebt.

„Sie wusste nicht, wie viele Menschen in diesen kalten Mauern schon gelebt hatten, es mussten neun oder zehn Generationen sein“……..“Junge Frauen waren in ihren Hochzeitskleidern in das Haus gekommen, durch die Brauttür, und hatten es in ihren Särgen wieder verlassen – durch dieselbe schmale Tür, die außen keine Klinke hatte, die nur geöffnet wurde beim Heiraten und beim Sterben“

Aber mir begegnen viele „knorrige“ Bewohner des Dorfes im Buch, von denen jeder seine eigene Geschichte, sein eigenes Schicksal hat. Und hier gelingt es der Autorin, diese Dorfbewohner so eigentümlich aber nichtsdestoweniger herzlich zu beschreiben. Sie werden durch den Schreibstil zu einem Leseerlebnis, dabei helfen die immer wieder vorkommenden Sätze und Aussagen im plattdeutschen Dialekt, („smöökt as een Damper“, „de kriggt keen af“) die mich schmunzeln lassen. Ich hatte immer das Gefühl, selbst dort zwischen den Apfelbäumen entlang zu gehen, das Haus selbst mitzuerleben und ein Teil dieser Dorfgemeinschaft zu sein.

Dörte Hansen gelingt es völlig unaufgeregt die Geschichte von zwei Einzelgängerinnen zu erzählen. Dies macht sie mit viel Charme, Humor und Tiefgang. Sie erzählt von den Dorfbewohnener mal ernst mal Humorvoll aber führt diese nie vor, sondern lässt uns mit einem liebenswerten Schmunzeln teilhaben am Alten Land.

Aus meiner Sicht ein Buch, für das man sich Zeit nehmen darf und muss und das es Wert ist gelesen zu werden. Nicht nur einmal!

*Quelle: Wikipedia

Infos zu Dörte Hansen findet ihr hier:

„Paradise City“

von Zoë Beck, erschienen im Suhrkamp Verlag

Dystopie mit bekannten Szenarien

Zoë Beck ist bekannt als Autorin und Übersetzerin und wurde unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis*, dem Radio-Bremen-Krimi-Preis* und dem Deutschen Krimipreis* ausgezeichnet. Sie beschreibt hier mit dem Thriller „Paradise City“ eine hochaktuelle Geschichte, die fast schon Bezug nimmt auf unsere momentane Situation.

Das Cover ist ansprechend gestaltet und macht Lust das Buch zu lesen. Der Klappentext verspricht ein interessantes Lesevergnügen.

Der Thriller spielt in der Zukunft in Deutschland und dort ist die Hauptstadt Frankfurt. Eine Megametropole mit mittlerweile über zehn Millionen Menschen. Der Klimawandel hat seine Spuren hinterlassen und bezeichnend ist, das die Menschen mit einer Gesundheits-App total überwacht werden. Die App meldet z.B., wann man zum Arzt muss, welches Medikament wann und wie eingenommen werden muss und meldet den Gesundheitsstatus minutiös an das Gesundheitsministerium. Einerseits genial, da gewisse Krankheiten ausgerottet sind, andererseits erschreckend.

Der Norden Deutschland ist permanent überschwemmt, Küsten werden immer weniger, der Süden leidet unter der permanenten Hitze. Einige Landstriche Deutschlands haben kein Wasser und keinen Strom mehr. Hier baut sich im Thriller langsam ein Szenario auf, das uns in der Zukunft genauso passieren könnte. Nachrichtenagenturen werden nur noch vom Staat gesteuert bis auf ein paar wenige (in einer davon arbeitet die Hauptprotagonistin Liina). Diese „freischaffenden“ Agenturen werden allerdings vom Volk nicht wirklich ernst genommen; eher belächelt. Die heutigen Verschwörungstheoretiker können sich auf das Buch freuen!

Liina recherchiert jedoch immer nur an kleinen, unwichtigen Themen und sie wartet auf ihre große Story. Plötzlich „verunfallt“ ihr Chef und zeitgleich stirbt in der Uckermark eine Mitarbeiterin der gleichen Agentur. Nach und nach wird klar, dass die beiden Fälle wohl miteinander verbunden sind und auch im Zusammenhang mit der Gesundheits-App stehen. Auch Liina ist als chronisch kranke Herzpatientin von dieser App abhängig.

Liina fängt an zu recherchieren und wird immer weiter in einen Sog von Intrigen und Machenschaften gezogen, ohne zu wissen auf welcher Seite sie steht und wem sie vertrauen kann.

Die Geschichte finde ich spannend und erschreckend nah an unserer Zukunftsaussicht, wenn nicht JETZT ein Umdenken statt findet. Der Thriller hat stets etwas beunruhigendes, was einen auf jeder Seite begleitet. Auch das viele Menschen mit dieser Situation wirklich zufrieden sind, da es ihnen recht gut geht, schockiert mich.

So weit zur Geschichte.

Das Buch war für mich ob des Schreibstils anfänglich etwas schwierig zu lesen, bis ich mich reingefuchst hatte. Dann liest es sich wirklich flüssig und schnell. Insgesamt gefiel mir die Geschichte, aber das Buch hat nur 280 Seiten, was aus meiner Sicht zu wenig ist. Manche Handlungsstränge waren mir zu kurz, zu wenig intensiv und mit zu wenig Tiefe. Hier hätte ich mir gerne locker 200 Seiten mehr gewünscht, die dem Thriller aus meiner Sicht sicherlich gut getan hätten. Auch finde ich es etwas schade, dass die Protagonisten (viel sind es ohnehin nicht) zu kurz kommen. Da wäre mehr Hintergrund sinnvoll gewesen, was letztendlich schade ist, weil ich viel zu wenig über die einzelnen Personen erfahre.

Alles in allem ein spannender Thriller, der sich wirklich flüssig liest, mir aber zu kurz und etwas zu oberflächlich ist.

*Quellen: Wikipedia

Friedrich-Glauser-Preis: hier

Radio-Bremen-Krimi-Preis: hier

Deutscher Krimipreis: hier

„Insel“

v. Ragnar Jónasson, erschienen im btb-Verlag, übersetzt v. Kristian Lutze

Besser als der erste Teil

Ich habe mich schon auf den zweiten Teil gefreut und mir gefällt er wirklich sehr gut. Wie ja bekannt sein dürfte, handelt es dich hierbei um eine Trilogie, und diese Trilogie wird rückwärts erzählt, was es einerseits total spannend für mich macht, und andererseitst anfangs nicht ganz einfach gemacht hat, die Zeitstränge und Handlungen in die richtige Reihung und gedanklich sofort und leicht zu erfassen. Gerade in Band zwei.
Aber ich bin absolut ein Fan davon, denn es ist wie mit einem Puzzle; man hat viele verschiedene Teile und doch geben sie gemeinsam ein großes Ganzes. Genial!


Ragnar Jónasson schafft es durch seinen total unaufgeregten und ruhigen Schreibstil mich zu fesseln. Die kurzen Kapitel gefallen mir sehr gut und Stück für Stück, wie auch im ersten Teil, wird die Geschichte spannender. Gerade durch diese mit- und in sich verwobenen Handlungs- und Zeitstränge erfährt man immer mehr Kleinigkeiten über die einzelnen Charaktere und so setzen sich die Puzzleteile derer langsam und mit stetig wachsender Spannung zusammen. Dabei bleiben die Protagonisten meines Erachtens bis zuletzt undurchsichtig, spannend und vor allem dubios.

In der ersten Hälfte des Buches hatte ich, wie bei Band Eins, zunächst den Eindruck, dass die Geschichte nur dahin plätschert. Aber gerade dort finden sich viele wichtige (Schlüssel-) Informationen, die dann in der zweiten Hälfte wiederum für die gesamte Geschichte/Handlung von Bedeutung sind. Und somit geht das für mich voll in Ordnung.


Ich mag die doch schrullige Kommissarin Hulda Hermannsdóttir; die Art und Weise, wie sie ermittelt. Ruhig und besonnen und unaufgeregt geht Sie den Fall/die Fälle an und wartet bei den Ermittlungen auf genau den richtigen Zeitpunkt um dann gekonnt den Täter festzusetzen. Auch erfahren wir in diesem Teil mehr aus ihrem persönlichen Leben und ihre Art damit umzugehen.

Der Schreibstil von Ragnar Jónasson und die anfängliche Unaufgeregtheit dieses Buches sind für mich ein Indiz eines großartigen Autors. Ja zugegeben, es gibt spannendere Thriller, die aber nur deshalb nicht zwangsläufig besser sind als dieses Buch.

Für mich ein gelungener zweiter Teil der Trilogie, und das Warten bis September auf Band drei lohnt sich sicherlich!

„Meine Familie und andere Tiere“

Von Gerald Durrell, erschienen im Piper Verlag, übersetzt v. Andree Hesse

Leider nicht meins

Was wirklich gut begann und witzig geschrieben ist, ließ für mich dann aber schwer nach und ich habe mich dann dazu entschlossen, das Buch abzubrechen. Das Cover ist nett, aber das war nicht der ausschlaggebende Punkt warum ich es mir gekauft hatte. Vielmehr war es wieder eine Empfehlung. Die Kapitel sind relativ lang, was mich aber, gerade am Anfang des Buches überhaupt nicht gestört hatte.
Es beginnt witzig, als Durrell die Geschichte seiner Familie erzählt und wie sie nach Griechenland umgesiedelt sind. Das fand ich wirklich gut, gut geschrieben und ließ mich schmunzeln. Aber als dann und immer wieder beschrieben wird, dass Durrell durch diverse Olivenhaine wandert, mal allein, mal mit Begleitung und dabei allerhand Getier entdeckt, fand ich es mehr als langatmig.  Mir wurde es nun zu langweilig, da mir der Witz und Esprit der ersten Seiten fehlte. Die „Entdeckungen“ wurden für mich immer uninteressanter. Abgebrochen habe ich auch weil ich glaube, dass das Leben zu kurz ist für Bücher, die mir nicht gefallen. Schade eigentlich, denn es begann wirklich sehr gut. Deshalb nur 2 von 5 Sterne

„Zwei fremde Leben“

Von Frank Goldammer, erschienen im dtv-Verlag

Erschreckend und spannend

Ich durfte dieses Rezensionsexemplar lesen und da die Wurzeln meiner Eltern in der ehem. DDR liegen, fand ich die Thematik besonders spannend.

Der Roman von Frank Goldammer spielt auf zwei verschiedenen Zeitachsen, was es für mich spannend macht. 1973 und 1993.

Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut, lädt zum „zugreifen“ ein und der Titel „zwei fremde Leben“ erweckt Neugierde und verspricht Spannung.

Der Roman ist flüssig geschrieben und durch den Wechsel der Zeitachsen findet man auch Cliffhanger, die einen dazu bringen unbedingt weiterzulesen. Das gefiel mir wirklich sehr gut. Die Kapitel haben eine angenehme Länge.Ein Kind wird vermisst. Ricarda entbindet 1973 ihr Kind und bekommt es nicht zu Gesicht, da es angeblich eine Todgeburt gewesen ist. Der behandelnde Arzt bei der Entbindung – Ricardas Vater.

Und schon nach kurzer Zeit wächst in Ricarda der Verdacht, dass ihr Vater für das Verschwinden verantwortlich ist. Eine Verschwörung oder nur eine Theorie von Ricarda oder doch eine staatlich beauftragte Kindesentfernung?

Alles scheint sich gegen Ricarda zu stellen. Ihre Eltern, ihre Freunde, sogar ihr Ehemann suggeriert ihr, dass sie sich alles nur einbildet.

1993 erfährt Claudia mit 16 Jahren, dass sie nicht das leibliche Kind ihrer Eltern ist und sofort ist mir klar, dass sie Ricardas Tochter sein muss. Oder doch nicht? Die beiden Zeitachsen wachsen im Verlauf des Buches von Kapitel zu Kapitel immer weiter zusammen, bis die beiden Frauen schließlich aufeinander treffen.

Die Charaktere im Buch sind wirklich gut dargestellt und ich fühlte mit der Hauptprotagonistin Ricarda stets mit. Ich wäre gern ins Buch gesprungen und hätte ihr so gern geholfen. Hätte ihr hier und da auch geraten, einen anderen Weg zu gehen. Das Buch hat mich wirklich gut abgeholt und mitgenommen. Die anderen Charaktere im Buch sind ebenfalls gut und undurchsichtig dargestellt. Lediglich der Polizist Thomas Rust hätte für meine Begriffe besser und intensiver dargestellt werden können und hier hätte das Buch durchaus 200 Seiten mehr vertragen können. Mir fehlte ein wenig Licht im Dunkel, was Thomas Rust in dieser Zeitspanne alles mitgemacht hat. Das war mir zu wenig.

Insgesamt schafft es Frank Goldammer jedoch hervorragend und packend zu beschreiben, wie die Bürger mit der Staatsmacht des damaligen Regimes klein gehalten wurden, wie Furcht und Misstrauen gesät wurden und wie die Angst stets wie ein Damoklesschwert über den Bürgern schwebte, so dass man nie wusste, wer Freund und wer Feind ist.

Ein gelungener Roman über die erschreckenden Zustände eines damaligen Regimes, dessen Ziel es war, die Menschen jederzeit und überall überwachen zu können.

„Leben“

Von Uwe Laub, erschienen im Heyne-Verlag

Erschrecken nah an der Realität

Das Cover hat mich gleich angesprochen, obwohl man viel in den Titel „Leben“ hineininterpretieren könnte. Die Kurzbeschreibung im Klappentext lässt dann (gerade im aktuellen Bezug) aufhören und macht extrem neugierig.

Und schon befindet man sich mitten im Geschehen und liest. Und das Buch entwickelt Sogwirkung. Mich hat es gleich mitgenommen und ich konnte und wollte es nicht aus der Hand legen. Artensterben, so aktuell wie nie zuvor; auch die Menschheit ist davon betroffen. Uwe Laub‘s Schreibstil begeistert mich, fesselt mich und lässt mir Schauer über den Rücken laufen. Ist es nun ein Buch oder ist es die Tagesschau? Immer wieder erwische ich mich, dass ich das nicht trennen kann. Viele sehr gut recherchierte Stellen im Buch sind so greifbar, jetzt und hier in unsere Gegenwart. Brachial und erschreckend ehrlich zeigt uns der Thriller, was geschehen kann, wenn es wieder einmal nur ums Geld und ums Überleben einzelner Mächtiger und Geldgieriger geht.

Es rüttelt aber auch wach -mich zumindest- wenn’s darum geht, wir wir mit unserem schönen Planeten Erde und mit unseren Mitmenschen, mit Fauna und Flora umgehen.

Ein Umdenken muss stattfinden, nicht morgen oder übermorgen, sondern jetzt! Und nicht nur für die Dauer des Lesens!!

Es geht im Buch nicht nur um das Artensterben im Tierreich, sondern dieses Mal sind wir dran. Der Mensch. Eine unheilbare, schnell voranschreitende Krankheit befällt die Menschheit weltweit. Und ein paar wenigen ist daran gelegen, diese Menschheit zu retten. Ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen skrupellose Verbrecher beginnt. 

Die Charaktere im Buch sind sehr realistisch und stark dargestellt und es könnten deine Nachbarn von neben an sein. Man fiebert und leidet mit ihnen mit und das Buch ist definitiv ein pageturner!

Kompliment!

„Dunkel“

von Ragnar Jonasson, erschienen im btb-Verlag, Übersetzung v. Kristian Lutze

Gelungener Auftakt

Auftakt einer Trilogie, mal etwas anders als ich es erwartet habe

Ich war voll der Spannung ob des Buches und zugegeben, ich war erstaunt, denn das hatte ich so nicht erwartet. 

Es ist mein erstes Buch von Ragnar Jonasson und es gefiel mir sehr gut. Hervorheben will ich den wirklich flüssig zu lesenden Schreibstil, sowie die kurzen Kapitel.

Ein Auftakt einer Trilogie über die/mit der Kommissarin Hulda Herrmannsdóttir. Spannend ist daran definitiv, dass die Trilogie mit dem dritten Teil, sprich mit dem Ende beginnt. Das hatte ich so bisher auch noch nicht gelesen.

Ich finde, man kommt sehr gut in die Geschichte rein und wird gleich mitgenommen in Huldas Arbeitswelt. Stück für Stück erfährt man zum einen etwas über Hulda, die mir echt ans Herz gewachsen ist. Ich finde sie irgendwie „schrullig“, (was mir total gefällt) und sie scheint nicht wirklich gute Freunde zu haben. Sie steuert auf ihren Ruhestand zu, und das eher schlecht als recht.

Mehr möchte ich auf die Geschichte nicht eingehen, wichtiges steht im Klappentext und verraten möchte ich hier auch nichts. 

Ich finde es „eigenartig“, denn es ist sicherlich nicht der packendste und spannendste Thriller und teilweise hat man das Gefühl, es plätschert so dahin. Aber dann wollte ich doch immer weiter lesen, um zu sehen wie sich Hulda mit den Problemen, die der Job, der Fall und ihr Leben so für sie bereit hält, schlägt. Und was soll ich sagen. Die erste Hälfte des Buches war ruhig und wenig Action für unsere Protagonistin. Und dennoch, nach meinem Empfinden, nimmt die Geschichte in der zweiten Hälfte des Buches deutlich an Fahrt auf und führte dazu, dass ich es nicht mehr weglegen wollte. 

Fazit:

Gut und flüssig zu lesen, ob des guten Schreibstils, kurze Kapitel. Das Cover finde ich richtig gelungen und Island wird nicht mein Lieblingsreiseziel werden. Also aus meiner Sicht ist es nicht der packendste Thriller, aber durch die, für mich echt schrullige Hulda finde ich es definitiv kein schlechtes Buch und ich werde sicherlich auch die beiden Folgebände lesen. Mir hat es gefallen.