„Die Verlorenen“

von Simon Beckett, erschienen im Rowohlt Verlag, übersetzt aus dem Englischen v. Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld

Ein wirklich guter Plot aber leider schlecht umgesetzt

Zunächst vielen lieben Dank an www.lovelybooks.de und den Rowohltverlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. 

„Die Verlorenen“ ist der Auftakt einer atemberaubenden neuen Thrillerserie von Simon Beckett, so die Info auf der Buchcover-Rückseite.

Ich habe bisher, bis auf den letzten Thriller der David Hunter-Reihe von Simon Beckett alle gelesen und war bisher vom Autor begeistert. Jedoch bin ich von diesem Werk leider wenig angetan, aber immer schön der Reihe nach.

Zur Geschichte:

Jonah Colley ist Mitglied einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei. Vor zehn Jahren ist sein Sohn Theo spurlos verschwunden. Damals brach auch der Kontakt zu seinem besten Freund Gavin ab. Nun meldet sich Gavin wieder bei ihm und bittet Jonah um ein Treffen. Als er zum vereinbarten Treffpunkt kommt, findet er nur noch Gavins und drei weitere Leichen. Für Jonah beginnt ein Alptraum.

Soweit die kurze Beschreibung des Klappentextes.

Der Thriller beginnt wirklich mit einem Paukenschlag und ich fand den Anfang sehr gut. Der Schreibstil ist wie bei den bisherigen Beckett-Thrillern flüssig und spannend geschrieben. Ich bin auch relativ schnell gefesselt und möchte wissen, wie es weitergeht. Auf zum nächsten Kapitel. 

So gefällt mir ein Pageturner. 

Aber leider flacht der Thriller dann stark ab. Es liegt nicht an der fehlenden Spannung. Es fehlt aus meiner Sicht eher an der mangelnden Liebe zum Detail. Die Charaktere sind nur sehr Oberflächlich dargestellt. Ich erfahre einfach zu wenig über die einzelnen Personen, um gewisse Zusammenhänge besser verstehen zu können, um gewisse Handlungen besser nachzuvollziehen. Aber Fehlanzeige. Die Charaktere bleiben blass bis langweilig dargestellt.

Der Hauptprotagonist Jonah ist als Mitglied der Londoner Spezialeinheit so naiv dargestellt, dass es an manchen Stellen im Buch für mich einfach unerträglich ist, dran zu bleiben ohne mich zu sehr über sein Handeln aufzuregen.

Ja es gibt die eine oder andere überraschende Wendung im Thriller, was ihm sehr gut tut, aber auch hier scheint der Autor viele Situationen wild aneinandergereiht zu haben ohne Tiefgang, ohne wirkliche Wirkung, was mich etwas wundert. 

Das Werk wirkt auf mich gehetzt, ganz so als hätte der Autor Zeitdruck beim Schreiben gehabt und versucht Vieles auf die 411 Seiten unterbringen zu wollen. Leider bleiben auch machen Fragen offen, dies kann beabsichtigt sein um die Auflösung im zweiten Teil der Reihe zu präsentieren. Aber für mich wirkt das ganze eher fragwürdig und gehetzt.

Aus meiner Sicht hätten es gerne 400 Seiten mehr sein dürfen oder müssen, wenn die einzelnen Charaktere dafür ordentlich dargestellt worden wären.  Es hätte dem Thriller wirklich gut getan wenn wir viel mehr über alle Beteiligten erfahren hätten. So bleibe ich echt ratlos und enttäuscht zurück.

Es ist ein guter Plot, der aus meiner Sicht sehr schwach umgesetzt wurde. Für mich eine echt vertane Chance auf einen großartigen Thriller. Es bleibt die Hoffnung auf den Folgeband.

„Der Pakt gegen den Papst“

Von Andreas Englisch, erschienen im C. Bertelsmann Verlag

Ein interessanter und spannender Einblick in den Vatikan

Ich bin zufällig auf dieses Buch vom Vatikan-Insider Andreas Englisch gestoßen. Zunächst habe ich schon etwas länger für die Kaufentscheidung gebraucht, da ich davon ausging, hier handelt es sich nur um eine Verschwörungstheorie gegen Papst Franziskus. Aber ich bin froh, dass ich es gelesen habe um so einen kleinen Einblick in dieses Machtgefüge zu bekommen.

Das Cover finde ich sehr gelungen und erinnert mich in erster Linie an einen Thriller. Auch der Schreibstil ist wirklich schön flüssig, interessant und mit Fakten vom Autor belegt, was es fast schon zu einem Thriller werden lässt. 

Andreas Englisch gelingt es hier „Licht ins Dunkel“ zu bringen, wenn’s um Bestrebungen geht, Papst Franziskus aus dem Amt zu treiben ohne seine Informanten bloß zustellen oder sie gar beim Namen zu nennen oder sie zu denunzieren. Er geht behutsam mit seinen Informanten und deren Informationen um. 

Mir gefällt es außerordentlich gut, dass ich viel über die verschiedenen Strömungen gegen den Papst erfahre. Was sind die vermeintlichen Beweggründe der Papstgegner, wer ist überhaupt darin involviert, wie geht Papst Franziskus damit um und auch erfahre ich etwas über die italienische Politik. Einiges war mir bereits aus meinem fünfjährigen Aufenthalt in Italien bekannt, aber so detaillierte Informationen, wie hier in diesem Buch waren mir dann doch neu und ich war verblüfft und durchaus positiv beeindruckt mit welcher Akrebie der Autor die Informationen behutsam zusammengetragen hat.

Ein wirklich interessantes Buch und vor allem, empfand ich es zu keiner Zeit langweilig obwohl viele Zahlen, Jahreszahlen und Daten Verwendung in diesem Buch finden. 

Für mich ein aufschlussreiches Werk, mit einer klaren Leseempfehlung. 

„Das Buch des Totengräbers“

von Oliver Pötzsch, erschienen im Ullstein Verlag

Spannend recherchierter Kriminalfall Ende des 19. Jahrhunderts

1893: Augustin Rothmayer ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hochgebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet – jede von ihnen brutal gepfählt. Der Totengräber hat schon Leichen in jeder Form gesehen, kennt alle Todesursachen und Verwesungsstufen. Er weiß, dass das Pfählen eine uralte Methode ist, um Untote unter der Erde zu halten. Geht in Wien ein abergläubischer Serientäter um? Der Inspektor und der Totengräber beginnen gemeinsam zu ermitteln und müssen feststellen, dass sich hinter den Pforten dieser glamourösen Weltstadt tiefe Abgründe auftun.

Soweit zur inhaltlichen Beschreibung, gem. Buchrückseite. Und mehr möchte ich inhaltlich schon mal gar nicht verraten, denn ich glaube, damit würde ich die Spannung vorweg nehmen und spoilern. 

Das Cover ist ansprechend, und doch irgendwie düster. Oliver Pötzsch besticht inhaltlich durch seine hervorragenden, historischen Recherchen, seinen flüssiger Schreibstil und seinen Protagonisten im Buch. Dieses Mal dreht sich alles um einen Totengräber, einen jungen, wilden Polizeiinspektor und einer vermeintlichen braven Telefonistin aus dem Polizeirevier. Auch der Wiener Dialekt kommt nicht zu kurz und es gibt Begrifflichkeiten, welche mir neu waren, aber da konnte ich schnell recherchieren und war auch hier überrascht.

Die Charaktere sind hervorragend dargestellt. Der Totengräber, knorrig, kauzig, der Herr Inspektor, neunmalklug; ein Schlauberger, ein „Besserwisser“, der sich mit seiner forschen Art im neuen Kollegenkreis mal so richtig in die Nesseln setzt und sich ins Aus katapultiert und die schöne aber scheinbar nur biedere Telefonistin in der Wiener Polizeidirektion. Alle drei für sich, sehr interessante Figuren, und dennoch hat so eine jede Figur seine Geheimnisse. Dies macht die Charaktere, für mich glaubwürdig und interessant und die Geschichte spannend.

Und ich muss dazu sagen, für mich blieb der Roman von Anfang an spannend bis zum Schluss. Sehr lange war ich auf der komplett falschen Fährte und Oliver Pötzsch schafft es immer wieder, mit vielen nicht erwarteten Wendungen den Spannungsbogen langsam zu steigern und ihn bis zum Bersten auszureizen. Natürlich darf ein „Grande Finale“ nicht fehlen, das ebenfalls wieder überrascht hat.

Für mich eine ganz klare Leseempfehlung und ich freue mich auf die Fortsetzung. 

„Ein Wochenende“

von Charlotte Wood, erschienen im Kein & Aber Verlag, übersetzt aus dem australischen Englisch von Brigitte Walitzek

Ein unterhaltsamer Roman über Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird

Ein Roman über vier Freundinnen. Jude, Wendy, Adele und Silvie. Und es ist definitiv kein „Frauenbuch“, auch wenn es um vier Freundinnen geht. Es ist ein Buch für uns alle.

Ja man erfährt eine ganze Menge über Frauen, aber vielmehr noch erfahren wir hier in dem Buch von Charlotte Wood viel über die Freundschaft.

Eine Freundschaft, die seit über vierzig Jahren anhält, und nun müssen drei von ihnen sich treffen um das Strandhaus der verstorbenen Silvie für den Verkauf zu entrümpeln.

Silvie war auch diejenige, die diese Freundschaft solange zusammengehalten hat. Aber nun ist Silvie gestorben und langsam bricht nun diese Freundschaft Stück für Stück auf sehr brachiale Art und Weise auseinander.

Dramatisch aber durchaus mit Witz erzählt Charlotte Wood in ihrem Buch von diesem „Entrümpelungswochenende“ und dies tut sie, sehr clever, aus den drei unterschiedlichen Perspektiven der drei verbliebenen Frauen.

Die Frage die sich wirklich stellt ist: „was ist Freundschaft eigentlich wert und wie erhält man diese?“

Es ist eine Geschichte, die die Freundschaft auf die Probe stellt. Die vier Freundinnen sind, bevor Silvie gestorben ist, zusammen durch dick und dünn gegangen. Aber nur durch Silvies Art und Weise haben sie gar nicht gemerkt, wie sie sich gegenseitig aufreiben, wie sie die Macken und Kanten der anderen extrem genervt haben. 

Aber wer sind diese drei Frauen um die 70 überhaupt. 

Da ist Adele, eine Schauspielerin ohne Engagement, die von ihrer lesbischen Freundin gerade verlassen wurde. 

Die Zweite ist Jude, eine erfolgreiche Gastronomin, die seit vierzig Jahren mit einem verheirateten Mann ein Verhältnis hat und immer noch glaubt, er würde seine Frau für sie verlassen.

Und dann ist da noch die Dritte im Bunde: Wendy, eine erfolgreiche Autorin, für die Schreiben immer wichtiger war als Familie und Kinder und sie hat einen extrem kranken und ewig sabbernden Hund dabei, was alle extrem an diesem Wochenende gewaltig nervt und das Fass zum überlaufen bringt.

Der Ärger ist also vorprogrammiert und es knallt an allen Ecken. Aber man sieht daran sehr gut, dass eben gerade in Freundschaften nicht immer nur Sonnenschein herrscht, sondern das es harte Arbeit ist eine Freundschaft am Leben zu erhalten. 

Ein unterhaltsamer Roman, von Freundschaft, der aus meiner Sicht dadurch besticht, dass man die Frauen jeweils durch die drei verschiedenen Perspektiven der einzelnen Frauen betrachtet kann. Es gibt absurde Szenen, die aber doch, beim genaueren Hinschauen wirklich dicht am Leben dran sind. Und nun müssen die drei Freundinnen teilweise mit Humor, aber auch mit Wehmut und Verzweiflung das Wochenende zusammen überstehen.

Aber trotz oder gerade wegen den vielen lächerlichen Unzulänglichkeiten, den eigenen Eitelkeiten und dem ständig sabbernden Hund droht das ganze Unterfangen kläglich zu scheitern. 

Ein unterhaltsames, kurzweiliges Buch mit einer Botschaft über die Freundschaft.

„Herr Rudi“

von Anna Herzig, erschienen im Voland&Quist Verlag

nicht mein Buch

Zur Geschichte: 

Zwei Tage vor seiner Pensionierung bekommt der Herr Rudi die Diagnose Krebs, er denkt: Okay. Hat’s ihn also auch erwischt. Sein Leben hat der Wiener Gerichtsvollzieher damit verbracht, der Livi hinterherzutrauern, erste und einzige Liebe. Die nach Zitrone-Orangen-Marmelade geschmeckt hat beim Küssen, und für deren Reanimation er sogar sein heißgeliebtes gelbes Curry stehen lassen würde. Aber da hilft alles nicht, die Livi ist tot, und das seit 40 Jahren. Seit 40 Jahren also sitzt ihr dämlicher Geist ihm auf der Schulter. Und jetzt haben wir das Schlamassel: Hexenschuss. Im Hotelzimmer in Salzburg mit einer Badewanne voller Blaubeeren. In der sind Dinge passiert. 

Und eine Pistole liegt da auch noch, auf dem Nachtschrank.

Soweit zum Inhalt gem. Klappentext.

 Ich bin zu diesem Buch wieder einmal durch eine Empfehlung gekommen. Ein wirklich kleines Buch mit gerade mal 100 Seiten. 

Das Cover finde ich unaufgeregt interessant und die Beschreibung der Geschichte lies mich neugierig werden. 

Aber um es vorweg zu nehmen: das Buch ist überhaupt nicht meins. 

Ich konnte mit dem ungewöhnlichen Schreibstil zunächst nichts anfangen, was im Verlauf des Lesens besser wurde, da ich mich darauf eingelassen habe. Warum auch nicht mal etwas „anderes“ lesen?

Der Großteil des Buches sind Dialoge oder gar Selbstgespräche. Kurz und knapp, ohne Schi-Schi. Das finde ich aber nicht mal schlecht, wenn man sich darauf einlässt; es ist dann mal was anderes.

Auch wenn ich die Österreicher schon immer in mein Herz geschlossen habe und ihren Dialekt liebe, hat mich dieses Buch einfach nicht gepackt. Ja, hier und da habe ich geschmunzelt, aber das war es dann auch schon. Ansonsten empfand ich es ein „Dahinplätschern“ der Geschichte und ich hatte mir das ein oder andere Mal überlegt es einfach weg zu legen. Aber bei einer so kurzen Geschichte kannst Du es auch durch lesen, so meine Überlegung.

Mein Fazit: Sorry, aber aus meiner Sicht, hätte ich nichts versäumt, wenn ich diese Geschichte nicht gelesen hätte. Ich kann nicht einmal sagen, woran es liegt. Es gibt einfach Bücher, mit denen komme ich einfach nicht klar und bei „Herr Rudi“ ist dies definitiv der Fall. 

„Die Henkerstochter und der König der Bettler“

von Oliver Pötzsch, erschienen im Ullstein Verlag

Wieder unterhaltsam, an historisch belegbaren Schauplätze, großartig

Es geht weiter mit dem dritten Teil der Geschichte des Henkers Jakob Kuisl und seiner Tochter Magdalena.

Den Scharfrichter Jakob Kuisl hat es ja tatsächlich gegeben, und er stammt aus einer der wohl bekanntesten bayerischen Henkersdynastien. 

Kurz zur Geschichte:

Dieses Mal entführt uns der Autor Oliver Pötzsch nach Regensburg Anno 1662; der Schongauer Henker bekommt Post von seiner jüngeren Schwester, die in Regensburg mit einem Bader verheiratet ist. Aus dem Brief geht hervor, dass es seiner Schwester gesundheitlich sehr schlecht geht und so macht sich Jakob Kuisl, wohlwissentlich dass er seine Scharfrichterstelle in Schongau ohne Genehmigung nicht verlassen darf und sich sicherlich Ärger einhandeln wird, auf den Weg nach Regensburg. Schon auf dem Weg dorthin, welcher ihn per Floß auf der Donau nach Regensburg bringt, wird Kuisl das Gefühl nicht los, das etwas nicht stimmt. Kaum in Regensburg angelangt beginnt der Ärger für Jakob Kuisl und er merkt, dass er in eine Falle getappt ist. Aber wer hat ihm diese Falle gestellt und warum?

Es beginnt für mich als Leser wieder eine turbulente und spannende Geschichte, in der ich dem Jakob Kuisl gerne helfen möchte. Jetzt sitzt er eingesperrt im Regensburger Gefängnis und ihn erwartet der Regensburger Henker.  Was ihm droht ist ihm als Henker wohlbekannt. Er darf nur einfach nicht gestehen für etwas, das er nicht getan hat. Aber wer soll ihm denn zu Hilfe kommen. 

Der Roman spielt wieder, und das schätze ich sehr an dieser Reihe, an wirklich gut recherchierten, geschichtlich belegbaren Orten, Plätzen und Stellen. 

Dieses mal kann Jakob Kuisl nicht viel selbst ausrichten, und ist somit auf Hilfe von anderen angewiesen. Ein wildes, undurchsichtiges Katz-und-Maus-Spiel beginnt und selbst für mich als Leser bleibt lange verborgen, wer ist Freund und wer ist Feind, wer meint es gut mit unserem Henker, seiner Tochter Magdalena und ihrem Simon Frohnwieser? Turbulent geht es allemal zu in Regensburg.

Das Cover ist wieder gelungen in bewährter Art und Weise und der Roman liest sich ob des guten Schreibstils wieder flüssig. Ich muss es so sagen: Ich bin ein  Fan von Oliver Pötzsch und seiner Henkerstochter. 

Auch in diesem dritten Teil gelingt es dem Autor die Spannung schnell aufzubauen und bis zum Schluss beizubehalten, viele unerwartete Wendungen, viele verschiedene Personen aus ebenso vielen Schichten der damaligen Zeit begegnen mir in Regensburg und wieder gelingt es Oliver Pötzsch ein sehr gutes und spannendes Finale am Ende zu präsentieren.

Ich finde die vielen kleinen Nebenschauplätze, die vielen Gestalten in Regensburg sehr abwechslungsreich und sie passen sehr gut ins große Ganze und ergeben so ein gutes Gesamtkonzept. Aber dieser Teil hat ein paar Längen, die es tapfer zu bestehen gilt, und auch hier ist Kuisls Tochter Magdalena in ihrem Handeln wieder naiv und äußerst töricht, („störrisches Weibsbild“) was mich teilweise gestresst hat, was dem Roman aber irgendwie auch gut tut.

Mit gefallen die  Originalschauplätze, auch wenn Heute vielleicht nicht mehr alles vor Ort zu finden ist. Aber wieder findet sich im Epilog  eine ausführliche und sehr schöne Beschreibung über die Örtlichkeiten vor Ort und wer Regensburg noch nicht kennt, sollte sich diesen Band unbedingt holen und Regensburg zu Fuß erkunden. Man wird sicherlich nicht enttäuscht werden.

Also auch Heute wieder eine klare Leseempfehlung für den dritten Teil. 


Auch diesen Teil habe ich aufgrund meiner Erkrankung in Krankenhäusern und bei Arztterminen gelesen um mir die Zeit gut zu vertreiben. Dies war auch der Grund, warum es gedauert hat, bis ich das Buch gelesen habe, denn nicht jeder Tag war zum leider Lesen geeignet.

„Der Pfau“

von Isabel Bogdan, erschienen im Insel Verlag

Herrlich komisch, very british und extrem unterhaltsam

Mir wurde dieses Buch als Geschenk von einem lieben Freund geschickt, der mir damit, aufgrund meiner Erkrankung, die Stimmung aufhellen wollte, um mich dadurch auf andere Gedanken zu bringen. 

Und was soll ich sagen? Es ist ihm absolut gelungen. An dieser Stelle, schonmal vielen, vielen lieben Dank, Kai!

Zur Geschichte:

Es ist Winter, irgendwo in den schottischen Highlands. Auf dem mehr oder weniger abgetakelten Landsitz von Lord und Lady McIntosh buchen sich Londoner Investmentbänker, inklusive einer extra dafür angeheuerten Köchin, für ein eine Teambuildingmaßnahm,  ein Wochenende lang ein. 

Eigens dafür wird von seitens der McIntosh‘ der marode Westflügel so gut wie möglich „aufgepimpt“ um die Londoner Gäste, einschließlich ihrer hysterischen Chefin unterzubringen. 

Alles scheint gut geplant zu laufen, tja wenn da dieser durchgeknallte Pfau der McIntosh‘ nicht alles durcheinander bringen würde. 

In ihrem Roman beschreibt Isabel Bogdan mit herrlich, extrem britischem Humor die verschiedenen Situationen, Verwechslungen und zum Teil tragikomischen Momente der Gesellschaft so herrlich witzig und unbeschwert, dass es wirklich eine Freude war, das Buch zu lesen. 

Aber von vorn.

Das Cover zeigt uns, wie kann es auch anders sein, einen schillernden Pfau. Um eben diesen geht es ja auch. Die Kapitel, eigentlich aus meiner Sicht keine richtigen Kapitel, sind genau richtig und extrem kurzweilig. Der Schreibstil gefällt mir sehr sehr gut, die gewählte Sprache, ebenso wie der Humor sind einfach herrlich. 

Irgendwann stellen die Hausherren fest, dass einer ihrer Pfauen, komplett durchdreht, wenn er etwas in der Farbe blau sieht. Egal ob es sich dabei um ein blaues Kleid eines Gastes, ein blauverpacktes Paketes oder gar ein blaues Auto handelt. Der Pfau mag mag einfach kein blau, erklärt die Farbe also zu seinem Feindbild und bekämpft diese mit, den für einen Pfau zur Verfügung stehenden Mitteln. Keiner weiß, warum der Pfau dies tut, aber für Lord McIntosh ist klar: der Pfau ist geschäftsschädigend und muss weg. Lord McIntosh muss handeln, tut dies und damit nehmen die Verwechslungen, Verdächtigungen und extrem schrägen Situationen auf dem Anwesen ihren Lauf.

Mehr kann und will ich nicht verraten, aber als Leser stolpere ich von einer in die nächste komische Situation und ich bin der einzige der alles weiß, aber unsere Hausherren, ihre Bediensteten und gerade auch die Gäste haben alle nur ein „gefährliches Halbwissen“. 

Eine Komödie, die mir total gefallen hat. 

Wer sich kurzweilig, humorvoll und mit einem ständigen Schmunzeln im Gesicht unterhalten lassen möchte, ist hier absolut richtig. Eine herrlich, humorvolle und schräge und absolute Leseempfehlung. 

„Blutroter Schatten“

von Patricia Walter, erschienen bei Lübbe Audio

Guter Plot, aber leider zu vorhersehbar

Ich habe mir gedacht, warum nicht auch einmal ein Hörbuch aus dem Genre Thriller. Und dann bin ich durch einen Vlog auf dieses Buch aufmerksam geworden. Im Vlog wurde das Buch von Patricia Walter sehr gelobt.  Zum einen für die Spannung bis zum Schluss und zum anderen für die gute Sprecherin. 

Worum gehts: 

Der Thriller spielt in München. Es werden kurz hintereinander mehrere ermordete Personen gefunden und an jedem Tatort findet sich eine „Visitenkarte“ mit der Aufschrift: „mit den besten Empfehlungen von Thomas Rohde“. 

Die Polizei ist ziemlich ratlos, denn die Morde sind alle ziemlich bestialisch begangen worden und zum anderen hinterließ der Mörder, bis auf die Visitenkarte, keinerlei Spuren. 

Thomas Rohde war ein Serienkiller, der aber seit fast zehn Jahren in der Psychiatrie in Sicherungsverwahrung untergebracht ist. Also scheint es sich hier um einen Nachahmungstäter zu handeln. Scheinbar kennt Thomas Rohde aber den Täter und ist bereit der Polizei zu helfen, allerdings zu seinen Bedingungen. 

Und so fordert er nur mit seiner Tochter zu sprechen, die vor 10 Jahren den letzten Mord von Thomas Rohde mitansehen musste. Es beginnt ein „Katz-und-Maus-Spiel“.

Soweit so gut und der Plot machte mich neugierig. 

Vorweg muss ich sagen, dass der Thriller extrem brutal, blutig und gewalttätig ist. Auch die Morde sind ziemlich, mir leider zu detailliert beschrieben. Das Cover vermittelt mir Furcht und Angst. 

Der Schreibstil ist sicherlich gut, aber als Hörbuch konnte mich die Sprecherin nicht überzeugen. An manchen Stellen waren mir die Betonungen zu lasch, an anderen Stellen unglaubwürdig. 

Der Thriller beginnt mit einem brutalen Paukenschlag und ich dachte mir, wow, wenn das so weitergeht, na dann zieh dich mal warm an. 

Der Spannungsbogen war zunächst wirklich gut und ich war echt interessiert und ich wollte sofort das nächste Kapitel hören um zu wissen wie es weitergeht. Aber im Laufe des Thrillers hatte ich dann schon einen Verdacht was Thomas Rohde wollte, wie er es erreichen würde und ich wurde bestätigt. Auch mein Verdacht auf das Finale bestätigte sich dann zumindest in Teilen. 

Die Charaktere waren dennoch ganz gut dargestellt, wenngleich mich die Polizei sowie Rohdes Tochter in vielen Situation sowas von naiv und unglaubwürdig, ob ihres Handelns nervten. 

In vielen Situationen war es so eindeutig was Thomas Rohde bezweckte, und ich war erstaunt auf was für Spielchen die Polizei sich, aufgrund ihrer scheinbarer Unfähigkeit bei der Ermittlungsarbeit einließen. Man hat das Gefühl, dass bei der Polizei nur Dilettanten arbeiten; was schon eine Unverschämtheit ist.

Mein Fazit:

Ein Thriller, der einen starken Plot hat und der wirklich gut begann, dann aber immer leichter durchschaubar für mich wurde und an manchen Stellen so naive und unglaubwürdige Handlungen hat, sodass mir das zuhören letztendlich nicht mehr viel Spaß machte. Auch die Sprecherin war aus meiner Sicht nicht die Richtige. 

Alles in allem eine vergeben Chance auf einen wirklich guten und spannenden Thriller und mir definitiv zu brutal.

„Was vom Tage übrig blieb“

Von Kazuo Ishiguro, erschienen im Heyne Verlag, übersetzt aus dem Englischen v. Hermann Stiehl

Starkes Buch und späte Einsicht

Zunächst möchte ich vorweg nehmen, dass es sich bei der hier abgebildeten, und von Janna Klävers wunderschön illustrierten und mit einem ganz besonderen Einband versehenen, Ausgabe um die Ausgabe der Büchergilde Gutenberg handelt.
An dieser Stelle meinen herzlichen Dank für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

„Was vom Tage übrig blieb“ ist der wohl berühmteste Roman des britischen Schriftstellers Kazuo Ishiguro, für den er 1989 den Booker Prize erhielt. Kazuo Ishiguro erhielt 1997 den Nobelpreis für Literatur als ein Schriftsteller, „der in Romanen von starker emotionaler Wirkung den Abgrund in unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt aufgedeckt hat“.

Diese Begründung finde ich sehr interessant und hat mich zu folgender Rezension gebracht.

Drei Jahrzehnte dient der Hauptprotagonisten Butler Stevens seinem Herrn Lord Darlington auf Darlington Hall aufopferungsvoll und mit voller Hingabe, sodass er alles Emotionale, wie Private und Persönliche um sich herum vergisst und dadurch vernachlässigt. Aus Sicht des Butlers ist diese bedingungslose Dienerschaft aber das, was einen guten Butler seines Standes ausmacht. 

Der Autor erzählt die Geschichte des Butlers Stevens rückwirkend in Erinnerungen, während dieser sich aktuell auf einer Fahrt zu seiner ehemaligen Haushälterin Miss Kenton befindet. Die Sprache, die Ishiguro hierbei verwendet finde ich extrem gut gewählt, vermittelt sie mir doch tatsächlich das Gefühl in den damaligen, adligen Kreisen verweilen zu dürfen. Ich darf an verschworenen Treffen der gehobenen Gesellschaft ebenso teilnehmen, wie an Auseinandersetzungen des Butlers mit dem ihm unterstellten Personal.

Wie kommt es aber zunächst zu dieser Reise? Nach dem Tod seines Arbeitgebers Lord Darlington wird der amerikanische Millionär Mr. Farraday neue Besitzer von Darlington Hall. Alsbald reduziert dieser nun nicht nur die Anzahl der zu bewohnten Räume im Hause, sondern auch das dazu notwendige Personal von ehemals 30 Personen auf eine Handvoll, was den Butler vor schier unlösbare Probleme stellt.  Als ein Brief der ehemaligen Haushälterin Miss Kenton eintrifft, indem der Butler etwas zu lesen scheint, was Miss Kenton nach fast zwanzig Jahren zur Rückkehr veranlassen könnte, drängt ihn zeitgleich sein neuer Arbeitgeber, sich ein paar Tage Auszeit zu gönnen um sich Englands Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Diesen Umstand nutzt nun der Butler um sich auf den Weg zu Miss Kenton zu machen und erlebt dabei so allerhand. Der stete Wechsel  hierbei zwischen der Gegenwart (auf dem Weg zur ehem. Haushälterin) und der Vergangenheit, in der er stets schwelgt und sich in vielen Details des Hauses Darlington Hall verliert, sind aus meiner Sicht sehr gut und abwechslungsreich.

Nun könnte man aber meinen, der Butler Stevens hat mit seiner Loyalität und Dienstpflicht einen Abgrund weit überschritten. Denn er selbst stellt seinen Beruf über die Zulassung zu den emotionalen, vorsichtigen Annäherungen einer Miss Kenton, die er einerseits überhaupt nicht erkennt in all seiner Dienstpflicht und zum anderen verwirren ihn diese und er erklärt sie sich mit unerklärbarem Fehlverhalten seiner Haushälterin. Des Weiteren kümmert er sich weiter zuerst um eine hochrangige Gesellschaft von politischer Brisanz, welche im Hause zu Gast ist, obwohl sein Vater im Sterben liegt. Selbst dann, als sein Vater verstirbt ist die „Würde eines Butlers“ die es zu wahren gilt, größer und er bittet Miss Kenton die Augen seines Vaters zu schließen. 

Der eiserne Willen seine Pflichten als Butler zu 150% zu erfüllen, übersteigen meine schlimmsten Erwartungen. Aber er hat dies immer nach bestem Wissen und Gewissen getan. Sein Vater selbst würde dies von ihm so erwarten; so erklärt er sich seiner Haushälterin gegenüber.

Ich glaube, dass er am Ende sein Handeln, seine Entscheidungen und sein gesamtes Leben bereut, auch wenn er immer glaubte, absolut loyal zu sein, sei das einzig Richtige und entspräche der „Berufsehre“ eines Butlers, egal in welcher Situation. Denn er meinte: „ich gab Lord Darlington das Beste, das ich zu geben hatte, und jetzt – nun sehe ich, dass nicht mehr viel übrig ist, was ich noch geben kann. 

Vielleicht hat es etwas für sich, dass man aufhören sollte, zu viel zurückzuschauen und eine positive Einstellung zu gewinnen um zu versuchen, aus dem, was vom Tage übrig ist, noch das Beste zu machen. 

Für mich ein zwar anstrengendes Werk, denn noch nie habe ich mich so intensiv und so lange mit einem Buch auseinandergesetzt, wie mit diesem, aber Kazuo Ishiguro ist hier ein absolut großartiges Werk gelungen. 

Das Ganze abgerundet in dieser so absolut wunderschönen Ausgabe macht es zu einem wahren Lesegenuss. 

Lesekultur pur! 

„Der große Sommer“

Von Ewald Arenz, erschienen im Dumont Verlag

Ein leiser, aber ganz bezaubernder Roman

Vielen Dank an Netgalley, für das Rezensionsexemplar. 

Nach „Alte Sorten“ ist Ewald Arenz mit „ Der große Sommer“ wieder ein ganz bezaubernder und hinreißender Roman gelungen. 

Das Cover ist mehr als gelungen und passt phantastisch und perfekt zum Roman. Die fesselnde Schreibweise des Autors zieht mich nach wenigen Seiten wieder in seinen Bann. Es ist diese erstaunliche Leichtigkeit mit der Ewald Arenz im Rückblick die Geschichte von Friedrich erzählt. Eine Leichtigkeit, die mich beschwingt auf eine Zeitreise zurück in die Jugendzeit mitnimmt. 

Friedrich fällt zum zweiten Mal in der Schule durch und hat nun die letzte Chance auf eine Nachprüfung in Latein und Mathe. Dafür darf er nun aber nicht mit seiner Familie in den Urlaub, sondern muss stattdessen die Sommerferien bei den Großeltern verbringen um zu lernen. 

Es ist dieser eine Sommer, den wir vielleicht alle schon einmal erlebt haben. Dieser eine Sommer, der soviel mit uns gemacht hat, in dem wir soviel unvergessliches und emotionales erlebt haben. Dieser eine Sommer, der uns dahin gebracht hat, wo wir Heute stehen.

Einfühlsam und leise nimmt uns der Autor mit in die (vielleicht eigene) Vergangenheit. Ewald Arenz gelingt es hier, mich mit seiner Sprache so zu berühren, dass ich die verschiedenen Stimmungen in den beschriebenen Momenten so sehr nachempfinden kann, dass ich Raum und Zeit vergesse und komplett in die Geschichte eintauche. Ich bin ein Teil davon. Ich spüre den Hauch des Sommerwindes, rieche den Duft der Robinie und erlebe das Gefühl der unbeschwerten Jugend erneut. Phänomenal. 

Ewald Arenz weiß mit den richtigen Worten umzugehen, und lässt mich daran teilhaben: 

„ Aber dieser dunkelgrün-bittere Geruch der Kastanienblätter machte die helle Süße der Lindenblüten noch intensiver“. 

Es ist eine bewegende Geschichte von Vertrauen, von Ehrlichkeit, der großen Liebe, von Freundschaft und Enttäuschung und mit den Emotionen, die man als Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden eben durchlebt.

Ewald Arenz erweckt durch seine großartigen Protagonisten ganz tiefe Gefühle, an die ich mich so gerne erinnere und die lange im Verborgenen geschlummert haben. Ich habe die Protagonisten allesamt sofort in mein Herzgeschlossen, anders geht es gar nicht.  

Der Hauptprotagonisten Friedrich tat mir am Anfang zunächst leid, da er die gesamten sechs Wochen seiner Sommerferien bei den Großeltern verbringen „darf“; die Großmutter, die er liebevoll „Nana“ nennt und der Großvater, vor dem er zunächst Angst hat. Aber mit jeder Seite des Buches wird mir klarer, dass in dieser Zeit etwas ganz wunderbares mit Friedrich geschieht. 

Es werden die wohl lehrreichsten und vielleicht auch die schwersten und doch zugleich die schönsten Sommerferien seines Lebens. 

Diese Zeit erlebt Friedrich natürlich nicht allein, denn an seiner Seite sind noch seine Schwester Alma, sein bester Freund Johannes und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. 

Ewald Arenz gelingt wieder ein sehr beeindruckender, emotionaler Roman, der mit sehr leiser aber sehr starker Sprache absolut überzeugt. Ein Buch das mir meine Jugendzeit vor Augen hält und mich gerührt und glücklich zurück lässt. Eine absolute Leseempfehlung.