„Die Hüter der Rose“

V. Rebecca Gablé, erschienen im Lübbe Verlag

Spannend erzählter, zweiter Teil der Waringham-Saga

Ich habe es endlich mal geschafft an der Waringham-Saga weiterzulesen und es nicht bereut. 

Zur Geschichte des zweiten Teils:

Die Hüter der Rose beginnt im Jahre 1413 kurz nach dem Tod von Lancasters Sohn König Heinrich IV. und umspannt den Zeitraum bis 1445.  Sein Sohn Heinrich V. entfacht den Krieg gegen Frankreich von Neuem, um verlorene Ländereien zurückzugewinnen. John of Waringham nimmt als junger Knappe zusammen mit seinen Freunden Owen Tudor und John Beaufort an diesem Feldzug Teil und erlebt unter anderem die Schlacht von Agincourt, wo er zum Ritter geschlagen wird. Zurück in Waringham muss er 1415 seinen Vater beerdigen. Sein Halbbruder Raymond wird Earl of Waringham, den Titel in Burton hatte schon vorher der älteste Sohn Robins, Edward inne. John wird Stewart in Waringham. Im weiteren Verlauf des Buches ist John ein treuer Gefolgsmann des Königs und vor allem auch von dessen Onkel Henry Beaufort, dem Bischof von Lincoln und Winchester, der wie sein Vater John of Gaunt im Hintergrund die Fäden zieht. Kurz vor seinem Tod ernennt Heinrich V. John zum Erzieher und Beschützer seines Sohnes, Heinrich VI., eine Aufgaben, die er bis zum Ende des Buchs wahrnimmt.

(Quelle: Wikipedia)

Wie auch schon im ersten Teil „Das Lächeln der Fortuna“ gibt es jede Menge Protagonisten im Buch. Von daher ist eine Agenda, sowie ein komplettes Verzeichnis aller im Buch vorkommenden Personen wieder hilfreich. So kann ich immer wieder nachschauen. 

Rebecca Gablés Schreibstil gefällt mir und ist ebenso spannend, wie der erste Teil, auch wenn ich bei über 1100 Seiten die Befürchtung hatte, es könnte langweilig werden.

Aber durch die exzellente Recherche der Autorin bleibt dafür keine Zeit. Es ist eine brutale, aber auch eine spannende und interessante Zeit.

Der Krieg zwischen England und Frankreich zieht sich fast durch das gesamte Buch.

John, aus meiner Sicht der Hauptprotagonist, wenn man dies bei der Vielzahl an Personen überhaupt kategorisieren kann, ist aus meiner Sicht eine tolle Person. Er erlebt Höhen aber auch extrem viele, dunkle und vor allem schmerzhafte Tiefen.  Ich habe mir immer wieder beim Lesen gedacht: „wieviel Schmerz kann ein Mensch ertragen“? 

Ein für mich wunderbarer Nebenschauplatz ist das Pferdegestüt der Waringhams. Vor allem ihr Umgang mit den Pferden. 

Leider scheint es in jedem Band einen Waringham zu geben, der aus dieser Art schlägt. Das ist für mich ganz klar Robert of Waringham.

Die Frauen in der Geschichte sind weiß Gott nicht beneidenswert, was leider der damalige Zeit geschuldet gewesen ist. Rechte für Frauen, gab es so gut wie keine und die Männer wurden leider nicht wirklich für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen.

Aus meiner Sicht gelingt es Rebecca Gablé diese dunkle, für mich grausame und brutale Zeit, überzeugend ehrlich, hervorragend recherchiert und doch auch an den richtigen Stellen mit einem Quäntchen Humor zu erzählen. Und so ist es für mich ein insgesamt gelungener zweiter Teil dieser Waringham-Saga.

Mein Fazit:

Für alle Fans historischer Romane ist das Buch ein absolutes Muss, allein schon aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds, der Intrigen, des Facettenreichtums des Romans und der hervorragenden historischen Recherche. 

„Die Känguru-Chroniken“

Von Marc-Uwe Kling, erschienen im Hörbuch Hamburg

Extrem unterhaltsam und humorvoll

Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine der „Känguru-Geschichten von Marc-Uwe Kling angehört habe. Ich finde es als Hörbuch um Längen besser als das Buch, denn der Autor Marc-Uwe-Kling liest es selbst und weiß, seine Pointen und Sprechpausen gekonnt zu setzen, so dass es ein absolutes Highlight für mich gewesen ist, dem Hörbuch zu lauschen. 
Allein die Idee, dass ein Känguru als Nachbar bei dir einzieht und dann in deine Wohnung mit einzieht ist schon extrem witzig. noch dazu ist das KänguruSchnapspralinensüchtig. Aber die Dialoge zwischen den Beiden sind absolut genial und sensationell. Ich kann nicht genug davon bekommen und es tut mir gerade im Moment gut, viel zu lachen. Dadurch, dass es Marc-Uwe Kling gelingt seinem Känguru eine unverwechselbare, leicht nasale und zum Teil nervige Stimme zu verleihen, wird es für mich an keiner einzigen Stelle langweilig. Auch muss ich dadurch nicht zwangsläufig dran bleiben und kann das Hörbuch auch mal, wenn es notwendig ist, weg legen, ohne den Faden zu verlieren. Ebenso kann ich einen Marc-Uwe Kling auch zwischen zwei Kapiteln eines anderen Buches anhören, wenn mir der Sinn nach Humor steht. Einfach phantastisch und wirklich gelungen.

Für mich, ob der Dialoge und der Stimme des Kängurus, eine ganz klare Empfehlung des Hörbuches, welches ich bei bookbeat gehört habe. Besser geht es kaum.

„Das Kreuz des Pilgers“

Von Petra Schier, erschienen im HarperCollins Verlag

Ein hervorragender Auftakt einer historischen Trilogie

Es ist mein erstes Buch von Petra Schier und hier zu allererst meinen Dank an www.vorablesen.de und den HarperCollins Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar. 

Kurz zur Geschichte: 

Wir schreiben das Jahr 1379 und nach eineinhalb Jahren kehren Conlin von Langenreth und sein Freund Palmiro in ihre Heimatstadt Koblenz zurück. Während Palmiro mit offenen Armen empfangen wird, warten auf Conlin nur Probleme, die ihn vor schier unlösbare Aufgaben stellen.

Mehr will ich zum Inhalt nicht verraten. 
Ich war sehr gespannt, da es ja mein erster Roman von der Autorin gewesen ist. Und ich muss sagen, ich bin wirklich sehr positiv überrascht. 
Das Cover finde ich wirklich ansprechenden und durch seine Schlichtheit überzeugend. Interessant ist, dass die Darstellung der Personen aus dem „Codex Manesse“ stammen. Wenn man das Cover betrachtet, fällt einem sofort auf, dass es sich um einen historischen Roman handelt. 

Der Schreibstil von Petra Schier gefällt mir absolut gut. Ich bin ein Fan davon, wie schön flüssig er geschrieben ist und wie sprachlich hervorragend der Roman, in die damalige Zeit passend, verfasst ist. Auch wie sie den sehr guten Plot umgesetzt hat macht das Lesen zu einem echten Vergnügen. 

Ausgezeichnet gefällt mir gleich zu Anfang der Stadtplan v. Koblenz sowie das Personenverzeichnis. Das erleichtert mir die vielen verschiedenen Charaktere, die gerade am Anfang in Erscheinung treten, leichter einzuordnen und kennenzulernen. Ich kann jederzeit nachlesen, wer mit wem und wie zueinander steht. 

Die Geschichte besteht aus so vielen kleinen einzelnen Facetten, Personen und geschichtlichen Hintergründen, dass es insgesamt zunächst etwas verwirrend erscheinen mag, aber Petra Schier gelingt es diese verschiedenen Personen, Situationen und Handlungsstränge so geschickt und interessant miteinander zu verknüpfen, dass es von Seite zu Seite einfacher und aufschlussreicher wird in die Geschichte einzutauchen und sich mitnehmen zu lassen auf ein wunderbares historisches Abenteuer, das zudem noch hervorragend geschichtlich fundiert und ebenso gut recherchiert ist. Es ist einfach eine wahre Freude für mich gewesen, den Roman zu lesen. 

Die Charaktere sind allesamt sehr gut und wirklich emotional detailliert dargestellt, sodass ich mich wirklich gut in die Geschichte, sowie in diePersonen hineinversetzen kann. Und es werden Stück für Stück die Geheimnisse, die die einzelnen Personen bei sich tragen gelüftet. Oftmals überraschend und nicht vorhersehbar, was es zusätzlich zu einem Vergüngen macht. 

Was in vielen Kapiteln, die für mich die optimale Länge haben, auf den ersten Blick noch verwirrend und geheimnisvoll erscheint, erschließt sich mir nach und nach mit jeder weiteren Seite, die ich lese. Es ist ein riesiges Puzzle, dass sich langsam und mit gutem Spannungsaufbau zu einem Großen und Ganzen zusammenfügt, obwohl mehrere Puzzleteile fehlen, die wohl in den Folgebänden zu finden sein werden. 

Nach einem wirklich gut umgesetzten Plot, bleibe ich am Ende des Romans mit einem Cliffhanger begeistert zurück und freue mich auf den Folgeband. Für mich eine ganz klare Leseempfehlung! 

„Die Spiegelreisende – die Verlobten des Winters“

von Christelle Dabos, erschienen im Insel Verlag, übersetzt aus demFranzösischen von Amelie Thoma

Abbruch aus Langeweile

Ich habe mich mal nach langer Zeit wieder ins Genre der Phantasy gewagt. Das Cover fand ich durchaus ansprechend und lies mich neugierig werden. Auch die Kurzbeschreibung lies mich aufhorchen und dann habe ich mich entschieden es zu kaufen.

Der Schreibstil liegt mir eigentlich schon, aber das konnte mich allein dann nicht bewegen, das Buch weiterzulesen. Die Story finde ich grundsätzlich gut, aber unterm Strich war es mir dann viel zu langweilig und ich finde das Buch sehr negativ geschrieben. Die Hauptprotagonistin kann durch Spiegel reisen, was ich schon cool finde. Aber dann erlebt sie nur Negatives, erlebt selbst keine positiven Highlights und kommt von einer schlechten Situation in die Nächste und ihr wird in ihrem neuen Zuhause nur negative Stimmung und Ablehnung entgegengebracht. Das fand ich wirklich zuviel.
Aber es waren dann tatsächlich die langweiligen Kapitel, die mich zum Abbruch bewogen hanen.

Es passierte mir zu wenig, es gab kaum Überraschungen, keine plötzlichen Wendungen, die es hätten spannend werden lassen können und diese ständig vorherrschende negative Grundstimmung hat mir das Lesen extrem „verhagelt“; deshalb habe ich bei knapp der Hälfte von 535 Seiten abgebrochen.
Das Buch ist leider gar nicht mein Fall. Angepriesen, sich locker mit Harry Potter vergleichen zu können, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. 

Leider keine Leseempfehlung von mir.

„Die Verlorenen“

von Simon Beckett, erschienen im Rowohlt Verlag, übersetzt aus dem Englischen v. Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld

Ein wirklich guter Plot aber leider schlecht umgesetzt

Zunächst vielen lieben Dank an www.lovelybooks.de und den Rowohltverlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. 

„Die Verlorenen“ ist der Auftakt einer atemberaubenden neuen Thrillerserie von Simon Beckett, so die Info auf der Buchcover-Rückseite.

Ich habe bisher, bis auf den letzten Thriller der David Hunter-Reihe von Simon Beckett alle gelesen und war bisher vom Autor begeistert. Jedoch bin ich von diesem Werk leider wenig angetan, aber immer schön der Reihe nach.

Zur Geschichte:

Jonah Colley ist Mitglied einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei. Vor zehn Jahren ist sein Sohn Theo spurlos verschwunden. Damals brach auch der Kontakt zu seinem besten Freund Gavin ab. Nun meldet sich Gavin wieder bei ihm und bittet Jonah um ein Treffen. Als er zum vereinbarten Treffpunkt kommt, findet er nur noch Gavins und drei weitere Leichen. Für Jonah beginnt ein Alptraum.

Soweit die kurze Beschreibung des Klappentextes.

Der Thriller beginnt wirklich mit einem Paukenschlag und ich fand den Anfang sehr gut. Der Schreibstil ist wie bei den bisherigen Beckett-Thrillern flüssig und spannend geschrieben. Ich bin auch relativ schnell gefesselt und möchte wissen, wie es weitergeht. Auf zum nächsten Kapitel. 

So gefällt mir ein Pageturner. 

Aber leider flacht der Thriller dann stark ab. Es liegt nicht an der fehlenden Spannung. Es fehlt aus meiner Sicht eher an der mangelnden Liebe zum Detail. Die Charaktere sind nur sehr Oberflächlich dargestellt. Ich erfahre einfach zu wenig über die einzelnen Personen, um gewisse Zusammenhänge besser verstehen zu können, um gewisse Handlungen besser nachzuvollziehen. Aber Fehlanzeige. Die Charaktere bleiben blass bis langweilig dargestellt.

Der Hauptprotagonist Jonah ist als Mitglied der Londoner Spezialeinheit so naiv dargestellt, dass es an manchen Stellen im Buch für mich einfach unerträglich ist, dran zu bleiben ohne mich zu sehr über sein Handeln aufzuregen.

Ja es gibt die eine oder andere überraschende Wendung im Thriller, was ihm sehr gut tut, aber auch hier scheint der Autor viele Situationen wild aneinandergereiht zu haben ohne Tiefgang, ohne wirkliche Wirkung, was mich etwas wundert. 

Das Werk wirkt auf mich gehetzt, ganz so als hätte der Autor Zeitdruck beim Schreiben gehabt und versucht Vieles auf die 411 Seiten unterbringen zu wollen. Leider bleiben auch machen Fragen offen, dies kann beabsichtigt sein um die Auflösung im zweiten Teil der Reihe zu präsentieren. Aber für mich wirkt das ganze eher fragwürdig und gehetzt.

Aus meiner Sicht hätten es gerne 400 Seiten mehr sein dürfen oder müssen, wenn die einzelnen Charaktere dafür ordentlich dargestellt worden wären.  Es hätte dem Thriller wirklich gut getan wenn wir viel mehr über alle Beteiligten erfahren hätten. So bleibe ich echt ratlos und enttäuscht zurück.

Es ist ein guter Plot, der aus meiner Sicht sehr schwach umgesetzt wurde. Für mich eine echt vertane Chance auf einen großartigen Thriller. Es bleibt die Hoffnung auf den Folgeband.

„Der Pakt gegen den Papst“

Von Andreas Englisch, erschienen im C. Bertelsmann Verlag

Ein interessanter und spannender Einblick in den Vatikan

Ich bin zufällig auf dieses Buch vom Vatikan-Insider Andreas Englisch gestoßen. Zunächst habe ich schon etwas länger für die Kaufentscheidung gebraucht, da ich davon ausging, hier handelt es sich nur um eine Verschwörungstheorie gegen Papst Franziskus. Aber ich bin froh, dass ich es gelesen habe um so einen kleinen Einblick in dieses Machtgefüge zu bekommen.

Das Cover finde ich sehr gelungen und erinnert mich in erster Linie an einen Thriller. Auch der Schreibstil ist wirklich schön flüssig, interessant und mit Fakten vom Autor belegt, was es fast schon zu einem Thriller werden lässt. 

Andreas Englisch gelingt es hier „Licht ins Dunkel“ zu bringen, wenn’s um Bestrebungen geht, Papst Franziskus aus dem Amt zu treiben ohne seine Informanten bloß zustellen oder sie gar beim Namen zu nennen oder sie zu denunzieren. Er geht behutsam mit seinen Informanten und deren Informationen um. 

Mir gefällt es außerordentlich gut, dass ich viel über die verschiedenen Strömungen gegen den Papst erfahre. Was sind die vermeintlichen Beweggründe der Papstgegner, wer ist überhaupt darin involviert, wie geht Papst Franziskus damit um und auch erfahre ich etwas über die italienische Politik. Einiges war mir bereits aus meinem fünfjährigen Aufenthalt in Italien bekannt, aber so detaillierte Informationen, wie hier in diesem Buch waren mir dann doch neu und ich war verblüfft und durchaus positiv beeindruckt mit welcher Akrebie der Autor die Informationen behutsam zusammengetragen hat.

Ein wirklich interessantes Buch und vor allem, empfand ich es zu keiner Zeit langweilig obwohl viele Zahlen, Jahreszahlen und Daten Verwendung in diesem Buch finden. 

Für mich ein aufschlussreiches Werk, mit einer klaren Leseempfehlung. 

„Das Buch des Totengräbers“

von Oliver Pötzsch, erschienen im Ullstein Verlag

Spannend recherchierter Kriminalfall Ende des 19. Jahrhunderts

1893: Augustin Rothmayer ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hochgebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet – jede von ihnen brutal gepfählt. Der Totengräber hat schon Leichen in jeder Form gesehen, kennt alle Todesursachen und Verwesungsstufen. Er weiß, dass das Pfählen eine uralte Methode ist, um Untote unter der Erde zu halten. Geht in Wien ein abergläubischer Serientäter um? Der Inspektor und der Totengräber beginnen gemeinsam zu ermitteln und müssen feststellen, dass sich hinter den Pforten dieser glamourösen Weltstadt tiefe Abgründe auftun.

Soweit zur inhaltlichen Beschreibung, gem. Buchrückseite. Und mehr möchte ich inhaltlich schon mal gar nicht verraten, denn ich glaube, damit würde ich die Spannung vorweg nehmen und spoilern. 

Das Cover ist ansprechend, und doch irgendwie düster. Oliver Pötzsch besticht inhaltlich durch seine hervorragenden, historischen Recherchen, seinen flüssiger Schreibstil und seinen Protagonisten im Buch. Dieses Mal dreht sich alles um einen Totengräber, einen jungen, wilden Polizeiinspektor und einer vermeintlichen braven Telefonistin aus dem Polizeirevier. Auch der Wiener Dialekt kommt nicht zu kurz und es gibt Begrifflichkeiten, welche mir neu waren, aber da konnte ich schnell recherchieren und war auch hier überrascht.

Die Charaktere sind hervorragend dargestellt. Der Totengräber, knorrig, kauzig, der Herr Inspektor, neunmalklug; ein Schlauberger, ein „Besserwisser“, der sich mit seiner forschen Art im neuen Kollegenkreis mal so richtig in die Nesseln setzt und sich ins Aus katapultiert und die schöne aber scheinbar nur biedere Telefonistin in der Wiener Polizeidirektion. Alle drei für sich, sehr interessante Figuren, und dennoch hat so eine jede Figur seine Geheimnisse. Dies macht die Charaktere, für mich glaubwürdig und interessant und die Geschichte spannend.

Und ich muss dazu sagen, für mich blieb der Roman von Anfang an spannend bis zum Schluss. Sehr lange war ich auf der komplett falschen Fährte und Oliver Pötzsch schafft es immer wieder, mit vielen nicht erwarteten Wendungen den Spannungsbogen langsam zu steigern und ihn bis zum Bersten auszureizen. Natürlich darf ein „Grande Finale“ nicht fehlen, das ebenfalls wieder überrascht hat.

Für mich eine ganz klare Leseempfehlung und ich freue mich auf die Fortsetzung. 

„Ein Wochenende“

von Charlotte Wood, erschienen im Kein & Aber Verlag, übersetzt aus dem australischen Englisch von Brigitte Walitzek

Ein unterhaltsamer Roman über Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird

Ein Roman über vier Freundinnen. Jude, Wendy, Adele und Silvie. Und es ist definitiv kein „Frauenbuch“, auch wenn es um vier Freundinnen geht. Es ist ein Buch für uns alle.

Ja man erfährt eine ganze Menge über Frauen, aber vielmehr noch erfahren wir hier in dem Buch von Charlotte Wood viel über die Freundschaft.

Eine Freundschaft, die seit über vierzig Jahren anhält, und nun müssen drei von ihnen sich treffen um das Strandhaus der verstorbenen Silvie für den Verkauf zu entrümpeln.

Silvie war auch diejenige, die diese Freundschaft solange zusammengehalten hat. Aber nun ist Silvie gestorben und langsam bricht nun diese Freundschaft Stück für Stück auf sehr brachiale Art und Weise auseinander.

Dramatisch aber durchaus mit Witz erzählt Charlotte Wood in ihrem Buch von diesem „Entrümpelungswochenende“ und dies tut sie, sehr clever, aus den drei unterschiedlichen Perspektiven der drei verbliebenen Frauen.

Die Frage die sich wirklich stellt ist: „was ist Freundschaft eigentlich wert und wie erhält man diese?“

Es ist eine Geschichte, die die Freundschaft auf die Probe stellt. Die vier Freundinnen sind, bevor Silvie gestorben ist, zusammen durch dick und dünn gegangen. Aber nur durch Silvies Art und Weise haben sie gar nicht gemerkt, wie sie sich gegenseitig aufreiben, wie sie die Macken und Kanten der anderen extrem genervt haben. 

Aber wer sind diese drei Frauen um die 70 überhaupt. 

Da ist Adele, eine Schauspielerin ohne Engagement, die von ihrer lesbischen Freundin gerade verlassen wurde. 

Die Zweite ist Jude, eine erfolgreiche Gastronomin, die seit vierzig Jahren mit einem verheirateten Mann ein Verhältnis hat und immer noch glaubt, er würde seine Frau für sie verlassen.

Und dann ist da noch die Dritte im Bunde: Wendy, eine erfolgreiche Autorin, für die Schreiben immer wichtiger war als Familie und Kinder und sie hat einen extrem kranken und ewig sabbernden Hund dabei, was alle extrem an diesem Wochenende gewaltig nervt und das Fass zum überlaufen bringt.

Der Ärger ist also vorprogrammiert und es knallt an allen Ecken. Aber man sieht daran sehr gut, dass eben gerade in Freundschaften nicht immer nur Sonnenschein herrscht, sondern das es harte Arbeit ist eine Freundschaft am Leben zu erhalten. 

Ein unterhaltsamer Roman, von Freundschaft, der aus meiner Sicht dadurch besticht, dass man die Frauen jeweils durch die drei verschiedenen Perspektiven der einzelnen Frauen betrachtet kann. Es gibt absurde Szenen, die aber doch, beim genaueren Hinschauen wirklich dicht am Leben dran sind. Und nun müssen die drei Freundinnen teilweise mit Humor, aber auch mit Wehmut und Verzweiflung das Wochenende zusammen überstehen.

Aber trotz oder gerade wegen den vielen lächerlichen Unzulänglichkeiten, den eigenen Eitelkeiten und dem ständig sabbernden Hund droht das ganze Unterfangen kläglich zu scheitern. 

Ein unterhaltsames, kurzweiliges Buch mit einer Botschaft über die Freundschaft.

„Herr Rudi“

von Anna Herzig, erschienen im Voland&Quist Verlag

nicht mein Buch

Zur Geschichte: 

Zwei Tage vor seiner Pensionierung bekommt der Herr Rudi die Diagnose Krebs, er denkt: Okay. Hat’s ihn also auch erwischt. Sein Leben hat der Wiener Gerichtsvollzieher damit verbracht, der Livi hinterherzutrauern, erste und einzige Liebe. Die nach Zitrone-Orangen-Marmelade geschmeckt hat beim Küssen, und für deren Reanimation er sogar sein heißgeliebtes gelbes Curry stehen lassen würde. Aber da hilft alles nicht, die Livi ist tot, und das seit 40 Jahren. Seit 40 Jahren also sitzt ihr dämlicher Geist ihm auf der Schulter. Und jetzt haben wir das Schlamassel: Hexenschuss. Im Hotelzimmer in Salzburg mit einer Badewanne voller Blaubeeren. In der sind Dinge passiert. 

Und eine Pistole liegt da auch noch, auf dem Nachtschrank.

Soweit zum Inhalt gem. Klappentext.

 Ich bin zu diesem Buch wieder einmal durch eine Empfehlung gekommen. Ein wirklich kleines Buch mit gerade mal 100 Seiten. 

Das Cover finde ich unaufgeregt interessant und die Beschreibung der Geschichte lies mich neugierig werden. 

Aber um es vorweg zu nehmen: das Buch ist überhaupt nicht meins. 

Ich konnte mit dem ungewöhnlichen Schreibstil zunächst nichts anfangen, was im Verlauf des Lesens besser wurde, da ich mich darauf eingelassen habe. Warum auch nicht mal etwas „anderes“ lesen?

Der Großteil des Buches sind Dialoge oder gar Selbstgespräche. Kurz und knapp, ohne Schi-Schi. Das finde ich aber nicht mal schlecht, wenn man sich darauf einlässt; es ist dann mal was anderes.

Auch wenn ich die Österreicher schon immer in mein Herz geschlossen habe und ihren Dialekt liebe, hat mich dieses Buch einfach nicht gepackt. Ja, hier und da habe ich geschmunzelt, aber das war es dann auch schon. Ansonsten empfand ich es ein „Dahinplätschern“ der Geschichte und ich hatte mir das ein oder andere Mal überlegt es einfach weg zu legen. Aber bei einer so kurzen Geschichte kannst Du es auch durch lesen, so meine Überlegung.

Mein Fazit: Sorry, aber aus meiner Sicht, hätte ich nichts versäumt, wenn ich diese Geschichte nicht gelesen hätte. Ich kann nicht einmal sagen, woran es liegt. Es gibt einfach Bücher, mit denen komme ich einfach nicht klar und bei „Herr Rudi“ ist dies definitiv der Fall. 

„Die Henkerstochter und der König der Bettler“

von Oliver Pötzsch, erschienen im Ullstein Verlag

Wieder unterhaltsam, an historisch belegbaren Schauplätze, großartig

Es geht weiter mit dem dritten Teil der Geschichte des Henkers Jakob Kuisl und seiner Tochter Magdalena.

Den Scharfrichter Jakob Kuisl hat es ja tatsächlich gegeben, und er stammt aus einer der wohl bekanntesten bayerischen Henkersdynastien. 

Kurz zur Geschichte:

Dieses Mal entführt uns der Autor Oliver Pötzsch nach Regensburg Anno 1662; der Schongauer Henker bekommt Post von seiner jüngeren Schwester, die in Regensburg mit einem Bader verheiratet ist. Aus dem Brief geht hervor, dass es seiner Schwester gesundheitlich sehr schlecht geht und so macht sich Jakob Kuisl, wohlwissentlich dass er seine Scharfrichterstelle in Schongau ohne Genehmigung nicht verlassen darf und sich sicherlich Ärger einhandeln wird, auf den Weg nach Regensburg. Schon auf dem Weg dorthin, welcher ihn per Floß auf der Donau nach Regensburg bringt, wird Kuisl das Gefühl nicht los, das etwas nicht stimmt. Kaum in Regensburg angelangt beginnt der Ärger für Jakob Kuisl und er merkt, dass er in eine Falle getappt ist. Aber wer hat ihm diese Falle gestellt und warum?

Es beginnt für mich als Leser wieder eine turbulente und spannende Geschichte, in der ich dem Jakob Kuisl gerne helfen möchte. Jetzt sitzt er eingesperrt im Regensburger Gefängnis und ihn erwartet der Regensburger Henker.  Was ihm droht ist ihm als Henker wohlbekannt. Er darf nur einfach nicht gestehen für etwas, das er nicht getan hat. Aber wer soll ihm denn zu Hilfe kommen. 

Der Roman spielt wieder, und das schätze ich sehr an dieser Reihe, an wirklich gut recherchierten, geschichtlich belegbaren Orten, Plätzen und Stellen. 

Dieses mal kann Jakob Kuisl nicht viel selbst ausrichten, und ist somit auf Hilfe von anderen angewiesen. Ein wildes, undurchsichtiges Katz-und-Maus-Spiel beginnt und selbst für mich als Leser bleibt lange verborgen, wer ist Freund und wer ist Feind, wer meint es gut mit unserem Henker, seiner Tochter Magdalena und ihrem Simon Frohnwieser? Turbulent geht es allemal zu in Regensburg.

Das Cover ist wieder gelungen in bewährter Art und Weise und der Roman liest sich ob des guten Schreibstils wieder flüssig. Ich muss es so sagen: Ich bin ein  Fan von Oliver Pötzsch und seiner Henkerstochter. 

Auch in diesem dritten Teil gelingt es dem Autor die Spannung schnell aufzubauen und bis zum Schluss beizubehalten, viele unerwartete Wendungen, viele verschiedene Personen aus ebenso vielen Schichten der damaligen Zeit begegnen mir in Regensburg und wieder gelingt es Oliver Pötzsch ein sehr gutes und spannendes Finale am Ende zu präsentieren.

Ich finde die vielen kleinen Nebenschauplätze, die vielen Gestalten in Regensburg sehr abwechslungsreich und sie passen sehr gut ins große Ganze und ergeben so ein gutes Gesamtkonzept. Aber dieser Teil hat ein paar Längen, die es tapfer zu bestehen gilt, und auch hier ist Kuisls Tochter Magdalena in ihrem Handeln wieder naiv und äußerst töricht, („störrisches Weibsbild“) was mich teilweise gestresst hat, was dem Roman aber irgendwie auch gut tut.

Mit gefallen die  Originalschauplätze, auch wenn Heute vielleicht nicht mehr alles vor Ort zu finden ist. Aber wieder findet sich im Epilog  eine ausführliche und sehr schöne Beschreibung über die Örtlichkeiten vor Ort und wer Regensburg noch nicht kennt, sollte sich diesen Band unbedingt holen und Regensburg zu Fuß erkunden. Man wird sicherlich nicht enttäuscht werden.

Also auch Heute wieder eine klare Leseempfehlung für den dritten Teil. 


Auch diesen Teil habe ich aufgrund meiner Erkrankung in Krankenhäusern und bei Arztterminen gelesen um mir die Zeit gut zu vertreiben. Dies war auch der Grund, warum es gedauert hat, bis ich das Buch gelesen habe, denn nicht jeder Tag war zum leider Lesen geeignet.