„Der Pfau“

von Isabel Bogdan, erschienen im Insel Verlag

Herrlich komisch, very british und extrem unterhaltsam

Mir wurde dieses Buch als Geschenk von einem lieben Freund geschickt, der mir damit, aufgrund meiner Erkrankung, die Stimmung aufhellen wollte, um mich dadurch auf andere Gedanken zu bringen. 

Und was soll ich sagen? Es ist ihm absolut gelungen. An dieser Stelle, schonmal vielen, vielen lieben Dank, Kai!

Zur Geschichte:

Es ist Winter, irgendwo in den schottischen Highlands. Auf dem mehr oder weniger abgetakelten Landsitz von Lord und Lady McIntosh buchen sich Londoner Investmentbänker, inklusive einer extra dafür angeheuerten Köchin, für ein eine Teambuildingmaßnahm,  ein Wochenende lang ein. 

Eigens dafür wird von seitens der McIntosh‘ der marode Westflügel so gut wie möglich „aufgepimpt“ um die Londoner Gäste, einschließlich ihrer hysterischen Chefin unterzubringen. 

Alles scheint gut geplant zu laufen, tja wenn da dieser durchgeknallte Pfau der McIntosh‘ nicht alles durcheinander bringen würde. 

In ihrem Roman beschreibt Isabel Bogdan mit herrlich, extrem britischem Humor die verschiedenen Situationen, Verwechslungen und zum Teil tragikomischen Momente der Gesellschaft so herrlich witzig und unbeschwert, dass es wirklich eine Freude war, das Buch zu lesen. 

Aber von vorn.

Das Cover zeigt uns, wie kann es auch anders sein, einen schillernden Pfau. Um eben diesen geht es ja auch. Die Kapitel, eigentlich aus meiner Sicht keine richtigen Kapitel, sind genau richtig und extrem kurzweilig. Der Schreibstil gefällt mir sehr sehr gut, die gewählte Sprache, ebenso wie der Humor sind einfach herrlich. 

Irgendwann stellen die Hausherren fest, dass einer ihrer Pfauen, komplett durchdreht, wenn er etwas in der Farbe blau sieht. Egal ob es sich dabei um ein blaues Kleid eines Gastes, ein blauverpacktes Paketes oder gar ein blaues Auto handelt. Der Pfau mag mag einfach kein blau, erklärt die Farbe also zu seinem Feindbild und bekämpft diese mit, den für einen Pfau zur Verfügung stehenden Mitteln. Keiner weiß, warum der Pfau dies tut, aber für Lord McIntosh ist klar: der Pfau ist geschäftsschädigend und muss weg. Lord McIntosh muss handeln, tut dies und damit nehmen die Verwechslungen, Verdächtigungen und extrem schrägen Situationen auf dem Anwesen ihren Lauf.

Mehr kann und will ich nicht verraten, aber als Leser stolpere ich von einer in die nächste komische Situation und ich bin der einzige der alles weiß, aber unsere Hausherren, ihre Bediensteten und gerade auch die Gäste haben alle nur ein „gefährliches Halbwissen“. 

Eine Komödie, die mir total gefallen hat. 

Wer sich kurzweilig, humorvoll und mit einem ständigen Schmunzeln im Gesicht unterhalten lassen möchte, ist hier absolut richtig. Eine herrlich, humorvolle und schräge und absolute Leseempfehlung. 

„Blutroter Schatten“

von Patricia Walter, erschienen bei Lübbe Audio

Guter Plot, aber leider zu vorhersehbar

Ich habe mir gedacht, warum nicht auch einmal ein Hörbuch aus dem Genre Thriller. Und dann bin ich durch einen Vlog auf dieses Buch aufmerksam geworden. Im Vlog wurde das Buch von Patricia Walter sehr gelobt.  Zum einen für die Spannung bis zum Schluss und zum anderen für die gute Sprecherin. 

Worum gehts: 

Der Thriller spielt in München. Es werden kurz hintereinander mehrere ermordete Personen gefunden und an jedem Tatort findet sich eine „Visitenkarte“ mit der Aufschrift: „mit den besten Empfehlungen von Thomas Rohde“. 

Die Polizei ist ziemlich ratlos, denn die Morde sind alle ziemlich bestialisch begangen worden und zum anderen hinterließ der Mörder, bis auf die Visitenkarte, keinerlei Spuren. 

Thomas Rohde war ein Serienkiller, der aber seit fast zehn Jahren in der Psychiatrie in Sicherungsverwahrung untergebracht ist. Also scheint es sich hier um einen Nachahmungstäter zu handeln. Scheinbar kennt Thomas Rohde aber den Täter und ist bereit der Polizei zu helfen, allerdings zu seinen Bedingungen. 

Und so fordert er nur mit seiner Tochter zu sprechen, die vor 10 Jahren den letzten Mord von Thomas Rohde mitansehen musste. Es beginnt ein „Katz-und-Maus-Spiel“.

Soweit so gut und der Plot machte mich neugierig. 

Vorweg muss ich sagen, dass der Thriller extrem brutal, blutig und gewalttätig ist. Auch die Morde sind ziemlich, mir leider zu detailliert beschrieben. Das Cover vermittelt mir Furcht und Angst. 

Der Schreibstil ist sicherlich gut, aber als Hörbuch konnte mich die Sprecherin nicht überzeugen. An manchen Stellen waren mir die Betonungen zu lasch, an anderen Stellen unglaubwürdig. 

Der Thriller beginnt mit einem brutalen Paukenschlag und ich dachte mir, wow, wenn das so weitergeht, na dann zieh dich mal warm an. 

Der Spannungsbogen war zunächst wirklich gut und ich war echt interessiert und ich wollte sofort das nächste Kapitel hören um zu wissen wie es weitergeht. Aber im Laufe des Thrillers hatte ich dann schon einen Verdacht was Thomas Rohde wollte, wie er es erreichen würde und ich wurde bestätigt. Auch mein Verdacht auf das Finale bestätigte sich dann zumindest in Teilen. 

Die Charaktere waren dennoch ganz gut dargestellt, wenngleich mich die Polizei sowie Rohdes Tochter in vielen Situation sowas von naiv und unglaubwürdig, ob ihres Handelns nervten. 

In vielen Situationen war es so eindeutig was Thomas Rohde bezweckte, und ich war erstaunt auf was für Spielchen die Polizei sich, aufgrund ihrer scheinbarer Unfähigkeit bei der Ermittlungsarbeit einließen. Man hat das Gefühl, dass bei der Polizei nur Dilettanten arbeiten; was schon eine Unverschämtheit ist.

Mein Fazit:

Ein Thriller, der einen starken Plot hat und der wirklich gut begann, dann aber immer leichter durchschaubar für mich wurde und an manchen Stellen so naive und unglaubwürdige Handlungen hat, sodass mir das zuhören letztendlich nicht mehr viel Spaß machte. Auch die Sprecherin war aus meiner Sicht nicht die Richtige. 

Alles in allem eine vergeben Chance auf einen wirklich guten und spannenden Thriller und mir definitiv zu brutal.

„Was vom Tage übrig blieb“

Von Kazuo Ishiguro, erschienen im Heyne Verlag, übersetzt aus dem Englischen v. Hermann Stiehl

Starkes Buch und späte Einsicht

Zunächst möchte ich vorweg nehmen, dass es sich bei der hier abgebildeten, und von Janna Klävers wunderschön illustrierten und mit einem ganz besonderen Einband versehenen, Ausgabe um die Ausgabe der Büchergilde Gutenberg handelt.
An dieser Stelle meinen herzlichen Dank für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

„Was vom Tage übrig blieb“ ist der wohl berühmteste Roman des britischen Schriftstellers Kazuo Ishiguro, für den er 1989 den Booker Prize erhielt. Kazuo Ishiguro erhielt 1997 den Nobelpreis für Literatur als ein Schriftsteller, „der in Romanen von starker emotionaler Wirkung den Abgrund in unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt aufgedeckt hat“.

Diese Begründung finde ich sehr interessant und hat mich zu folgender Rezension gebracht.

Drei Jahrzehnte dient der Hauptprotagonisten Butler Stevens seinem Herrn Lord Darlington auf Darlington Hall aufopferungsvoll und mit voller Hingabe, sodass er alles Emotionale, wie Private und Persönliche um sich herum vergisst und dadurch vernachlässigt. Aus Sicht des Butlers ist diese bedingungslose Dienerschaft aber das, was einen guten Butler seines Standes ausmacht. 

Der Autor erzählt die Geschichte des Butlers Stevens rückwirkend in Erinnerungen, während dieser sich aktuell auf einer Fahrt zu seiner ehemaligen Haushälterin Miss Kenton befindet. Die Sprache, die Ishiguro hierbei verwendet finde ich extrem gut gewählt, vermittelt sie mir doch tatsächlich das Gefühl in den damaligen, adligen Kreisen verweilen zu dürfen. Ich darf an verschworenen Treffen der gehobenen Gesellschaft ebenso teilnehmen, wie an Auseinandersetzungen des Butlers mit dem ihm unterstellten Personal.

Wie kommt es aber zunächst zu dieser Reise? Nach dem Tod seines Arbeitgebers Lord Darlington wird der amerikanische Millionär Mr. Farraday neue Besitzer von Darlington Hall. Alsbald reduziert dieser nun nicht nur die Anzahl der zu bewohnten Räume im Hause, sondern auch das dazu notwendige Personal von ehemals 30 Personen auf eine Handvoll, was den Butler vor schier unlösbare Probleme stellt.  Als ein Brief der ehemaligen Haushälterin Miss Kenton eintrifft, indem der Butler etwas zu lesen scheint, was Miss Kenton nach fast zwanzig Jahren zur Rückkehr veranlassen könnte, drängt ihn zeitgleich sein neuer Arbeitgeber, sich ein paar Tage Auszeit zu gönnen um sich Englands Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Diesen Umstand nutzt nun der Butler um sich auf den Weg zu Miss Kenton zu machen und erlebt dabei so allerhand. Der stete Wechsel  hierbei zwischen der Gegenwart (auf dem Weg zur ehem. Haushälterin) und der Vergangenheit, in der er stets schwelgt und sich in vielen Details des Hauses Darlington Hall verliert, sind aus meiner Sicht sehr gut und abwechslungsreich.

Nun könnte man aber meinen, der Butler Stevens hat mit seiner Loyalität und Dienstpflicht einen Abgrund weit überschritten. Denn er selbst stellt seinen Beruf über die Zulassung zu den emotionalen, vorsichtigen Annäherungen einer Miss Kenton, die er einerseits überhaupt nicht erkennt in all seiner Dienstpflicht und zum anderen verwirren ihn diese und er erklärt sie sich mit unerklärbarem Fehlverhalten seiner Haushälterin. Des Weiteren kümmert er sich weiter zuerst um eine hochrangige Gesellschaft von politischer Brisanz, welche im Hause zu Gast ist, obwohl sein Vater im Sterben liegt. Selbst dann, als sein Vater verstirbt ist die „Würde eines Butlers“ die es zu wahren gilt, größer und er bittet Miss Kenton die Augen seines Vaters zu schließen. 

Der eiserne Willen seine Pflichten als Butler zu 150% zu erfüllen, übersteigen meine schlimmsten Erwartungen. Aber er hat dies immer nach bestem Wissen und Gewissen getan. Sein Vater selbst würde dies von ihm so erwarten; so erklärt er sich seiner Haushälterin gegenüber.

Ich glaube, dass er am Ende sein Handeln, seine Entscheidungen und sein gesamtes Leben bereut, auch wenn er immer glaubte, absolut loyal zu sein, sei das einzig Richtige und entspräche der „Berufsehre“ eines Butlers, egal in welcher Situation. Denn er meinte: „ich gab Lord Darlington das Beste, das ich zu geben hatte, und jetzt – nun sehe ich, dass nicht mehr viel übrig ist, was ich noch geben kann. 

Vielleicht hat es etwas für sich, dass man aufhören sollte, zu viel zurückzuschauen und eine positive Einstellung zu gewinnen um zu versuchen, aus dem, was vom Tage übrig ist, noch das Beste zu machen. 

Für mich ein zwar anstrengendes Werk, denn noch nie habe ich mich so intensiv und so lange mit einem Buch auseinandergesetzt, wie mit diesem, aber Kazuo Ishiguro ist hier ein absolut großartiges Werk gelungen. 

Das Ganze abgerundet in dieser so absolut wunderschönen Ausgabe macht es zu einem wahren Lesegenuss. 

Lesekultur pur! 

„Der große Sommer“

Von Ewald Arenz, erschienen im Dumont Verlag

Ein leiser, aber ganz bezaubernder Roman

Vielen Dank an Netgalley, für das Rezensionsexemplar. 

Nach „Alte Sorten“ ist Ewald Arenz mit „ Der große Sommer“ wieder ein ganz bezaubernder und hinreißender Roman gelungen. 

Das Cover ist mehr als gelungen und passt phantastisch und perfekt zum Roman. Die fesselnde Schreibweise des Autors zieht mich nach wenigen Seiten wieder in seinen Bann. Es ist diese erstaunliche Leichtigkeit mit der Ewald Arenz im Rückblick die Geschichte von Friedrich erzählt. Eine Leichtigkeit, die mich beschwingt auf eine Zeitreise zurück in die Jugendzeit mitnimmt. 

Friedrich fällt zum zweiten Mal in der Schule durch und hat nun die letzte Chance auf eine Nachprüfung in Latein und Mathe. Dafür darf er nun aber nicht mit seiner Familie in den Urlaub, sondern muss stattdessen die Sommerferien bei den Großeltern verbringen um zu lernen. 

Es ist dieser eine Sommer, den wir vielleicht alle schon einmal erlebt haben. Dieser eine Sommer, der soviel mit uns gemacht hat, in dem wir soviel unvergessliches und emotionales erlebt haben. Dieser eine Sommer, der uns dahin gebracht hat, wo wir Heute stehen.

Einfühlsam und leise nimmt uns der Autor mit in die (vielleicht eigene) Vergangenheit. Ewald Arenz gelingt es hier, mich mit seiner Sprache so zu berühren, dass ich die verschiedenen Stimmungen in den beschriebenen Momenten so sehr nachempfinden kann, dass ich Raum und Zeit vergesse und komplett in die Geschichte eintauche. Ich bin ein Teil davon. Ich spüre den Hauch des Sommerwindes, rieche den Duft der Robinie und erlebe das Gefühl der unbeschwerten Jugend erneut. Phänomenal. 

Ewald Arenz weiß mit den richtigen Worten umzugehen, und lässt mich daran teilhaben: 

„ Aber dieser dunkelgrün-bittere Geruch der Kastanienblätter machte die helle Süße der Lindenblüten noch intensiver“. 

Es ist eine bewegende Geschichte von Vertrauen, von Ehrlichkeit, der großen Liebe, von Freundschaft und Enttäuschung und mit den Emotionen, die man als Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden eben durchlebt.

Ewald Arenz erweckt durch seine großartigen Protagonisten ganz tiefe Gefühle, an die ich mich so gerne erinnere und die lange im Verborgenen geschlummert haben. Ich habe die Protagonisten allesamt sofort in mein Herzgeschlossen, anders geht es gar nicht.  

Der Hauptprotagonisten Friedrich tat mir am Anfang zunächst leid, da er die gesamten sechs Wochen seiner Sommerferien bei den Großeltern verbringen „darf“; die Großmutter, die er liebevoll „Nana“ nennt und der Großvater, vor dem er zunächst Angst hat. Aber mit jeder Seite des Buches wird mir klarer, dass in dieser Zeit etwas ganz wunderbares mit Friedrich geschieht. 

Es werden die wohl lehrreichsten und vielleicht auch die schwersten und doch zugleich die schönsten Sommerferien seines Lebens. 

Diese Zeit erlebt Friedrich natürlich nicht allein, denn an seiner Seite sind noch seine Schwester Alma, sein bester Freund Johannes und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. 

Ewald Arenz gelingt wieder ein sehr beeindruckender, emotionaler Roman, der mit sehr leiser aber sehr starker Sprache absolut überzeugt. Ein Buch das mir meine Jugendzeit vor Augen hält und mich gerührt und glücklich zurück lässt. Eine absolute Leseempfehlung.

„Die Großwäscherei“

Von Andor Endre Gelléri, erschienen im Guggolz Verlag, übersetzt aus dem Ungarischen von Timea Tankó

Ein interessanter, wortstarker Roman

Ich wäre nie auf diesen Roman gestoßen, wenn ich nicht bei der Instagram-Aktion „Buchwechsel 2.0“ mit gemacht hätte, und mir im Rahmen dieser Aktion ein Buch geschenkt wurde. Nämlich eben dieser Roman. 

Weder der Autor noch dessen Roman war mir bisher bekannt und so lies ich mich auf dieses „blind Date“ mit dem Buch ein. Warum auch nicht? Ich habe nichts zu verlieren.

„Die Großwäscherei“ ist ein mit 201 Seiten recht kurzer Roman von Andor Endre Gelléri, der 1906 in Budapest geboren wurde und nur wenige Tage nach der Befreiung des Lagers in Mauthausen, wo er inhaftiert war, im Mai 1945 am Flecktyphus starb. 

Worum gehts:

Die Geschichte spielt Anfang der 1930er Jahre in einem alten Arbeiterviertel in Budapest. In der Großwäscherei Phönix, die aus nur fünf Räumen besteht, aber an die 100 Menschen beschäftigt, die zwischen Kesseln, ätzendem Geruch von Salmiak, Chlor und anderen Chemikalien herumwuseln, herrscht immer extreme Hektik, Druck und unmenschliche Zustände. Alles was Rang und Namen hat, lässt hier seine Wäsche reinigen. Von edler Tischwäsche bis hin zu wenig ansehnlicher und wohlriechender Unterwäsche ist alles dabei, die in der stickigen Wäschemarkierkammer sortiert und markiert werden. Und hier hat mich der Autor. Ich kann mir diese dunkle, stickige Kammer vorstellen mit all diesen üblen Gerüchen. Durch die Beschreibungen mit großartiger Sprache stehe ich mittendrin in der Wäscherei. „Im Maschinenraum klappern Gasbügeleisen und Heißmangeln, von denen die Beine der Frauen, die an ihnen arbeiten, nilpferddick werden. Es gibt „rußbeschmierte Heizer mit mageren Gliedmaßen“ und wenn dann auch noch detailliert vom „rot flackernden Feuer im Kessel“ geschrieben wird, kann man sich diese Wäscherei durchaus als eine Art Vorstufe zur Hölle vorstellen. Es wird deutlich, dass das Arbeiten in dieser Großwäscherei alles andere als ein Zuckerschlecken ist.

Und mittendrin befindet sich dann der Besitzer Herr Taube. Er führt den Betrieb mit strenger Hand, neigt zum Größenwahn und ist dennoch am Ende gelangweilt von seiner Macht und seinem Geld. Er vertreibt sich die Zeit mit seinen weiblichen Angestellten und stellt Arbeiter ein und entlässt diese wie er will und sät damit Neid, Missgunst und die Gier nach Macht. 

Ein nur sehr kurzer aber insgesamt ein interessanter, starker und wortgewaltiger Roman, der aus meiner Sicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. 

Danke an Dennis, ohne den ich diesen Roman wohl nie gelesen hätte.

„Abels Zorn“ Geburt eines Killers

V. Simon Harrak, übersetzt aus dem Englischen v. Matthias J. Diaz

Schwacher Auftakt, der dennoch unterhält

zunächst einmal vielen lieben Dank an Lovelybooks.de und Simon Harrak für das kostenfreie Rezensionsexemplar.

Ich habe mich gefreut über das Buch, da mich die Kurzbeschreibung interessierte. 

Das Cover finde ich gelungen und es passt total zur Geschichte. Es geht um Frederich Abel. Er wurde im Alter von sieben Jahren von einem Elitesoldaten adoptiert und auch in dessen Sinne erzogen und gedrillt. Abel merkt aber selbst, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt. Der Grund dafür schlummert tief im Abgrund seiner Selbst.

Das Buch ist, ob des guten Schreibstils wirklich flüssig zu lesen und es liest sich zunächst auch spannend.Die Geschichte nimmt einen schon mit und konnte mich Anfangs auch begeistern. Leider sind mir die Protagonisten etwas zu schwach dargestellt und Ida hat aus meiner Sicht, zumindest hier im ersten Teil, so gar keinen Bezug zur Geschichte. Ich für meine Teil hätte nicht einmal vermisst, wenn sie nicht in der Geschichte vorkommen würde. Ich fragte mich aber stets, warum bekomme ich Informationen über sie, die mir teilweise viel zu langweilig erschienen, wenn am Ende mit diesen Informationen zur eigentlichen Geschichte nichts beigetragen wird. 

Stellenweise sind mir Passagen zu oberflächlich beschrieben, und auf der anderen Seite werden dann Szenen sehr brutal und detailliert erzählt. Da finde ich, fehlt es am ausgeglichenen Gleichgewicht. Mir fehlen auch klassische Cliffhanger, für die reich, ich Chancen da wären, aber nicht genutzt werden. Lediglich der Schluss lässt mich dann überrascht und neugierig zurück.

Aus meiner Sicht hätten dem Buch lockere 200 Seiten mehr gut getan um viel detaillierter in manchen Abschnitten zu erzählen. 

Alles in allem habe ich mich dennoch unterhalten gefühlt, obwohl mir die Tiefe, die Details und die Cliffhanger gefehlt haben. Ein unterhaltsames Buch aber mit deutlichen Schwächen. Für Band 2 und 3 reicht es leider für mich nicht. Schade. 

„Als wir uns die Welt versprachen“

V. Romina Casagrande, erschienen im Fischer Krüger Verlag, Übersetzung aus dem Italienischen v. Katharina Schmidt und Barbara Neeb

Ein großartiges Werk über Vertrauen, Mut und vor allem Hoffnung

Ein starkes, aussagekräftiges Cover. Denn es geht um die Geschichte der sogenannten Schwabenkinder Edna und Jacob, die wie viele andere tausend Kinder aus den Bergregionen südlich der Alpen von ihren Familien an reiche Bauern ins Schwäbische verkauft wurden. 

Es waren Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren. Über mehr als dreihundert Jahre wurde dieser unmenschliche Handel betrieben, wohl oft in dem Glauben, den Kindern würde es in der Fremde wohl besser ergehen. 

Nach dem Roman „Schwabenkinder“ v. Elmar Bereuter (erschienen im Müller Verlag, 2016) und dem Roman „Ich bleibe hier“ v. Marco Balzano (erschienen im Diogenes Verlag, 2020) ist hier nun ein weiteres wirklich großartiges und interessantes Buch zur Geschichte dieser Kinder, welche überwiegend ausgebeutet, misshandelt und zum Teil auch umgebracht wurden. Die wenigsten diese Kinder kehrten nach Hause zurück. Ein Stück aufbereitete Geschichte, die leider in Vergessenheit gerät und leider unter dem Deckmantel des Schweigens langsam verschwindet. 

Mit diesem Werk hier gelingt der Autorin aber auf ganz einfühlsame Weise, mit leiser aber starker Sprache, die Geschichte der zwei Schwabenkinder kraftvoll und voller Empathie abzubilden. Eine Geschichte von tiefer Liebe, Zuneigung, Vertrauen, Versprechen, Mut und Freundschaft, aber vor allem Eins: Hoffnung. Und  diese Hoffnung darf man niemals aufgeben, auch nach Jahrzehnten nicht.

Die Hauptprotagonistin Edna ist eine wirklich großartige Person, die es zutiefst bereut ihr Versprechen von damals nicht eingehalten zu haben. Aber ist es denn zu spät um ein Versprechen immer noch einlösen zu können? Und so macht sich Edna nach Jahren des Haderns mit einem Papagei und einem Rucksack auf den Weg über die Alpen, auf dem die Beiden nicht nur gute und schöne Momente erleben, sondern auch viele verschiedenen Menschen begegnen. Wir erfahren welche Probleme sich auf dem Weg über die Alpen ergeben und auch wird deutlich, dass Hoffnung eben doch etwas Wichtiges, etwas ganz großes ist; vielleicht auch das Wichtigste im Leben ist. Alles ist machbar, auch ein steiler Berg, den es zu überwinden gilt, wenn man nur daran glaubt und die Hoffnung nicht aufgibt, egal was andere dazu sagen und unbeirrt auf seine innere Stimme, auf seine innere Überzeugung zu hören und ihr zu folgen.

Ich brauche nicht mehr zu schreiben. Denn aus meiner Sicht wird die Geschichte wirklich gewaltig, großartig und aus meiner Sicht philosophisch erzählt und besticht mit einem ganz wunderbaren Schreibstil. Für mich ein wirklich lesenswertes Buch.
Ich bin schockverliebt, überwältigt von diesem wunderbaren Buch. Ich kann es euch nur wirklich empfehlen. Mein bisheriges Lesehighlight in 2021.

vielen Dank an netgalley für das Rezensionsexemplar.

„Land in Sicht“

V. Ilona Hartmann, erschienen im Blumenbar Verlag


Leider wenig überzeugend

Die Geschichte ist sehr schnell erzählt. Eine junge Frau, Jana erfährt dass ihr Vater, den sie nie kennengelernt hat, Kapitän auf dem Donauschiff, der MS Mozart ist. Nun macht sie sich auf den Weg, ihren Vater kennen zu lernen. Was wäre dazu besser geeignet, als sich selbst als Passagier auf diese Donauschifffahrt von Passau nach Wien einzubuchen.

Womit sie aber nicht gerechnet hat ist, dass sie die jüngste Mitreisende ist, denn wie befürchtet sind fast alle andern Gäste locker über 70 Jahre alt. 

Die Kurzbeschreibung zum Buch klang vielversprechend und witzig und mit nur 160 Seiten ist das Buch wirklich überschaubar.

Zu Beginn fand ich die Situationskomik, die Jana auf dem Schiff erlebt noch wirklich lustig, aber nach gut 35 Seiten verließ mich dann die Freude am Lesen und mein Humor, da es, meines Erachtens meistens nur „abgehalfterte“ Witze waren, bei denen ich das Gefühl hatte, die haben a) alle schon einen ewig langen Bart und/oder b) werden hier die ganzen Klischees über reisende Rentner („Beige-Träger) bedient. 

Der einfache Schreibstil ist zwar flüssig, aber mir waren in der Wortwahl zu viele Wiederholungen vorhanden und er konnte mich einfach nicht begeistern, dass ich gerne weiter gelesen hätte. 

Die letzten dreißig Seiten habe ich dann leider nur noch sehr schnell überflogen, da mir schlicht und einfach die Lust am Weiterlesen gefehlt hat. 

Wirklich schade. Der Plot klang eigentlich ganz gut, aber es war mir dann zu langweilig und am Ende, tja…..ein Schluss, der mich auch nicht so überzeugen konnte. Alles in allem ist es kein Buch für mich. 

„Ich bleibe hier“

V. Marco Balzano, erschienen im Diogenes Verlag, übersetzt aus dem Italienischen v. Maja Pflug. Hier in der Lizenzausgabe der Büchergilde Gutenberg.

David gegen Goliath

Es ist ein bemerkenswerter Roman, der Marco Balzano hier gelungen ist.  Auf nur 280 Seiten gelingt es dem Autor, die bedrückende Situation, die Sorgen und Nöte der Bauern Südtirols zu Zeiten des Faschismus und Nationalsozialismus detailliert und brillant festzuhalten. Die Geschichte handelt von Vertrauen, von Zusammenhalt, von der Bewusslosigkeit und Machtlosigkeit gegenüber des Regimes, aber auch vom Aufbruch in eine andere Ära.

Dabei verknüpft er die historisch, belegte und brutale Realität mit einer erdachten Geschichte um die Bewohner der Bergregion Südtirols. Dort soll ein Staudamm errichtet werden, bei dessen Fertigstellung einige Dörfer nicht mehr vorhanden sein werden. 

Als wäre die Zeit damals nicht schon schlimm genug gewesen, kommt nun auch noch die bevorstehende Umsiedlung und Zwangsenteignung der verorteten Bauern dazu. Das Ganze geschah tatsächlich und vor Allem ohne eine wirkliche Entschädigung der Bauern, welche ihres sämtlichen Hab und Guts beraubt wurden. 

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Lehrerin Trina Hauser, die unschlüssig zwischen Aufbruch und der Liebe zur Heimat schwankt. Der Schreibstil ist großartig. Einfach aber sehr berührend fesselt mich die Geschichte sofort ab der ersten Seite.

Ich wusste zwar, dass es am Reschenpass diesen großen See gibt, in dessen Mitte ein Kirchturm herausragt, der heute LEIDER nurmehr als Touristenattraktion für das eine oder andere Selfie herhalten muss, aber ich wusste bisher leider nichts über dessen Geschichte. Wenn man diesen Roman gelesen hat, wird man beim nächsten Halt am Stausee sicherlich anders darüber denken. 

Ein Absatz aus dem Buch beschreibt es ziemlich gut:

Auch die Wunden, die nicht heilen, hören früher oder später zu bluten auf. Die Wut, sogar über die erlittene Gewalt, ist wie alles dazu bestimmt, nachzulassen, sich etwas Größerem zu fügen, dessen Name ich nicht kenne. Man müsste die Berge befragen können, um zu erfahren, was hier geschehen ist“.

Ein toller Roman und eine definitive, klare Leseempfehlung. 

Ich habe den Roman in einer schön gebundenen Lizenzausgabe (siehe Abb.) der Büchergilde Gutenberg gelesen. Lesekultur pur!

„Nebel“

V. Ragnar Jónasson, erschienen im btb Verlag; Übersetzung aus dem Englischen v. Andreas Jäger


Spannender dritter Teil

Ich habe mich auch auf den dritten Teil gefreut und bin nicht enttäuscht worden.  Nochmal zur Erinnerung, wird diese Trilogie rückwärts erzählt, was es für mich anfangs nicht ganz einfach gemacht hat, die Zeitstränge und Handlungen in die richtige Reihung und gedanklich gleich zu erfassen. Gerade in Band zwei fand ich es Anfangs verwirrend. Aber hier in Teil III gelingt mit dies quasi optimal.

an dieser Stelle erst einmal vielen Dank an Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Ich bin absolut ein Fan von dieser Trilogie, denn es ist wie mit einem Puzzle; man hat viele verschiedene Teile und doch geben sie gemeinsam zum Schluss ein Bild; das große Ganze.

Ragnar Jónasson schafft es wieder, mich durch seinen unaufgeregten und ruhigen und trotzdem spannenden Schreibstil zu fesseln. An dieser Stelle auch einmal ein großes Dankeschön an den Übersetzer Andreas Jäger.
Die kurzen Kapitel liegen mir total und Stück für Stück, wie auch in den ersten beiden Teilen, wird die Geschichte spannender. Gerade durch die mit- und in sich verwobenen Handlungs- und Zeitstränge und durch die, mir ans Herz gewachsene Protagonisten Hulda bleibt der Fall um den es hier im dritten Teil geht, meines Erachtens bis zuletzt undurchsichtig, spannend und dubios. Manche Informationen in der ersten Hälfte des Buches erscheinen zunächst wieder belanglos und unwichtig und ich habe mich gefragt,  was ich mit der Information anfangen soll,  aber diese Infos sind dann in der zweiten Hälfte wiederum wichtig und somit geht das für mich voll in Ordnung. 

Ich mag die Kommissarin Hulda Hermannsdóttir, den Schreibstil von Ragnar Jónasson und die anfängliche Unaufgeregtheit dieses Buches. Für mich ein wirkliches das beste Buch dieser Trilogie und im Gesamtbild eine wirklich empfehlenswerte, rückwärts erzählte Trilogie. Eine klare Leseempfehlung!