„Das Verschwinden der Erde“

Von Julia Phillips, erschienen im dtv-Verlag, übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von pociao und Robert de Hollanda

Für mich kein literarischer Thriller und enttäuschend

Ich durfte dank netgalley das Buch vor dem Erscheinungsdatum lesen, hatte mich richtig darauf gefreut und war dann aber wirklich enttäuscht, und um es vorweg zunehmen: Ich habe dann bei der Hälfte das Buch abgebrochen. 

Es ist der Debütroman von Julia Phillips.
Das Cover finde ich gelungen; es passt meines Erachtens sehr gut zum Schauplatz Kamtschatka. So stelle ich es mir dort zumindest vor. 
Und auch den Titel fand ich durchaus interessant, habe mir aber auch hier etwas anderes vorgestellt.

Angekündigt wurde das Buch als literarischer Thriller und da ist der springende Punkt. Ich finde es ist zwar durchaus ein sprachgewaltiges Werk, aber bei weitem kein Thriller und es mich überhaupt nicht gepackt, wie bei einem Thriller zu erwarten wäre. Stellenweise war es mir viel zu langatmig; die Storys um die einzelnen Personen haben mich nicht mitgenommen und ich habe immer darauf gewartet, dass der eigentliche Fall aufgeklärt wird und wie gesagt, einen Thriller erwartet. Aber aus meiner Sicht waren es vielmehr mehr kurze Episoden und mir fehlte auch der sogenannte Sog, die Spannung im Buch, die mich dran bleiben lässt; die mich packt. Aber mit jeder Seite wurde es für mich schwerer dran zu bleiben. 

Es ist leider kein Buch für mich. Schade.

„Die Henkerstochter“

v. Oliver Pötzsch, erschienen im Ullmann Verlag

Historischer Roman, geschichtlich sehr gut recherchiert und spannend geschrieben

Schongau, kurz nach dem 30 jährigen Krieg. Es ist eine finstere Zeit. Eine Zeit der Wegelagerer, Verbrecher, Hexen und Henker. 

Auch Schongau hatte zu dieser Zeit einen Henker. Den Jakob Kuisl. 

Das Gute am Buch: den Scharfrichter Jakob Kuisl hat es tatsächlich gegeben, und er stammt aus einer der wohl bekanntesten bayerischen Henkersdynastien. 

Kurz zur Geschichte: In Schongau wird ein Bub ermordet aus dem Lech geborgen, trägt ein vermeintliches Hexenmahl und gleich ist es den Leuten in Schongau klar wer schuld hat: Die Hebamme Martha Stechlin. Sie soll den Bub verhext haben und also auf dem Scheiterhaufen brennen. Jakob Kuisl, seine Tochter Magdalena und Simon, der Sohn des Stadtmedicus‘ wollen dies verhindern und den wahren Grund für das Verbrechen herausfinden.

Es ist ein turbulenter und spannender Roman, der an historisch, belegbaren Schauplätzen spielt und auch geschichtlich wirklich gut recherchiert ist, zumal der Autor Oliver Pötzsch selbst aus der Familie der Kuisl‘s stammt. 

Das Cover ist gelungen, und der Roman lässt sich ob des guten Schreibstils wirklich flüssig lesen. Ich mag den Schreibstil von Oliver Pötzsch, und das nicht nur in den Büchern rund um die Henkerstochter. Ich finde den Auftakt der Reihe um die Henkerstocher wirklich spannend, vor allem da die Spannung bis zum Schluss anhielt, sodass ich das Buch nicht weglegen wollte/konnte. Ich habe mitgefiebert bis zum Schluss, zumal auch wirklich erst ziemlich am Ende Licht ins Dunkel kommt. 

Natürlich gleichen sich vielleicht viele historische Romane,die um diese Zeit spielen, denn es geht um Gut gegen Böse, Intrigen und Macht, aber vielleicht ist es mein Bezug zu Schongau und dem Autor, der mich quasi durch diesen Roman fliegen lässt und mich aufgeregt, zufrieden und wirklich gut unterhalten zurück lässt. 

Ich habe selbst in Schongau gewohnt, kenne die Ecken und Gassen, welche im Roman beschrieben sind und ich hatte auch das große Glück einer Lesung mit dem Autor an den Schauplätzen vor Ort in Schongau beiwohnen zu dürfen. Es war einfach grandios.

Für mich eine absolute Leseempfehlung und ich werde definitiv auch die nachfolgenden Romane lesen.

„Tod im Alten Land“

Von Daniel E. Palu, erschienen im. Emons Verlag

Gut, unterhaltender Krimi mit Charme

„Dieses Röcheln, das Meeresrauschen der arbeitenden Bevölkerung“; was für eine hinreißende Beschreibung für den Klang einer italienischen Kaffeemaschine

Ich war gespannt und neugierig auf diesen Krimi. Zum einen verbindet mich durch meinen besten Freund, eine nun 30 Jahre währende Freundschaft mit Hamburg und dann ist da noch meine Liebe zu Italien und den Italienern, verursacht durch meinen langjährigen Aufenthalt in Ferrara (Emilia Romagna).

 Da ist also der Hauptprotagonist: Hauptkommissar Gabriele Berlotti, liebevoll von einem Mitarbeiter nur „ commissario“ genannt, der zurückkehrt ins Alte Land und ins Haus zu seinen Eltern zieht. Manchmal hat man es nicht leicht mit den Eltern, aber es sind Eltern, wie sie liebenswerter und italienischer nicht sein könnten. Sie meinen es nur gut, sind manchmal anstrengend und laut aber sehr charmant und mit dem, für den Krimi notwendigen Humor. Gabriele Berlotti ist für mich ein, aufgrund seiner Liebe zum Café, sehr sympathischer und charismatischer Kommissar, der sich gerne auf seine Intuition verlässt.

Das Cover finde ich ob seiner Schlichtheit überzeugend und gelungen und der Schreibstil liegt mir aufgrund der spritzigen Art (spritzig wie ein Apfel aus dem Alten Land), sodass sich der Krimi schön flüssig lesen lässt.

Die Handlung ist zunächst nicht allzu kompliziert. Kaum ist der „Commissario“ zurück in Hamburg, geschieht auch schon der erste Mord an einem Journalisten. Und das in der Journalistenstadt schlechthin. Der Mord muss schnellstens aufgeklärt werden, denn es stehen die Hamburger Bürgerschaftswahlen an und so wie es scheint, sind nicht nur Leute aus dem Journalismus in den Kriminalfall involviert sondern auch Politiker. Und hier gelingt dem Autor eine tolle Gratwanderung. Was ist real, was sind Fake-news, wer ist Freund und wer ist Feind, in einer Welt, die nur so von den Schlagzeilen lebt. 

Die Welt des Journalismus scheint eine Löwengrube, ebenso wie die Welt der Politik. Hier hatte ich oft das beklemmende Gefühl, dass, so wie der Autor die Zusammenhänge im Buch beschreibt, auch tatsächlich so sein könnten oder gar sind? Vetternwirtschaft, Machenschaften, Korruption, Erpressung….nur eine Fiktion? Das macht den Krimi spannend und die Handlung ist geprägt von den vielen Verknüpfungen der beschriebenen Personen. Was zunächst ganz klar wirkt, ist dann doch viel komplizierter und verwirrender als angenommen. So bleibt es für mich spannend, wenngleich mir manchmal etwas der „Sog“ in der Geschichte fehlte. Die Arbeit der Polizei wirkt durchaus überzeugend auf mich, nicht zuletzt da der „Commissario“ ein kleines fähiges Team an seiner Seite hat. Natürlich gibt es nicht nur wohl gesonnene Kollegen, sondern auch Neider und Zweifler. Auch die typischen Vorgesetzten dürfen hier nicht fehlen, klar. Aber das gehört dazu  und macht die Geschichte menschlich. Ein weiterer Pluspunkt waren für mich die Bezüge zur Realität, wie sie im Nachwort erklärt sind. 

Alles in allem ein gut unterhaltender Krimi, der mir nicht nur aufgrund der Thematik gefiel sondern m.E. vielmehr von den Protagonisten im Buch lebt. Es ist die Geschichte des Kommissars und seinen Eltern. Einfach menschlich, schlicht und kommt ganz ohne „Schi-Schi“ aus. Toll.

Wer guten Café, Hamburg und Italien mag, für den ist es genau die richtige Lektüre. 

Ich jedenfalls freue mich auf die Fortsetzung und jetzt auf eine gute Tasse Espresso! 

„Kinderklinik Weißensee“

Von Antonia Blum, erschienen im Ullstein Verlag

Historisch fundiert recherchierter und gelungener Roman

Danke an netgalley und den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Der Klappentext klang interessant, das Cover gefiel mir recht gut und ich mag durchaus Romane, die historisch gut recherchiert und Bezug zur Geschichte haben. Wenn dann die Örtlichkeiten auch heute , wenngleich in diesem Fall nur als Ruine, noch existieren, aber sich die Geschichte in den Grundzügen tatsächlich so dargestellt hat, dann ist das durchaus ein Buch für mich. 

So dachte ich zumindest. Und ich wurde nicht enttäuscht. Antonia Blum hat mit Kinderklinik Weißensee einen guten Auftakt einer Geschichte geschaffen, die mir Spaß gemacht hat zu lesen.

Aber von vorn. Das Cover gefällt mir sehr gut, spricht mich an und ist durch seine Schlichtheit überzeugend. Ich erfahre im Roman, warum es dieses Cover ist. Das gefällt mir. 

Der Roman ist flüssig geschrieben, nimmt mich ob der Sprache auch gut mit und lässt mich aufgrund der Geschichte dran bleiben. Ich will wissen,was den beiden Waisenkindern Marlene und Emma widerfährt, welchen Weg sie einschlagen und welche Situationen sie meistern müssen.

Es ist die Zeit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Marlene und Emma sind zwei Schwestern, deren Mutter an Marlenes sechstem Geburtstag verstirbt. Die beiden Mädchen flüchten aus Angst vor dem Waisenhaus und machen sich auf eine Reise in eine unbekannte Zukunft. Aber die „Fürsorge“ findet sie in Berlin und sie kommen dennoch ins Waisenhaus. Aber irgendwie scheint ihr Weg nicht so steinig wie erwartet. Warum? Marlene kann sogar ihr Abitur mache , was für Waisenkinder zur damaligen Zeit schier unmöglich gewesen ist und sie bekommen beide die Chance eine Ausbildung zur Krankenschwester in der Kinderklinik Weißensee zu absolvieren. 

Wir begleiten die beiden Schwestern auf dem Weg durch die Ausbildung, die stark von der strengen Hand der Oberin Polsfuß der Rotkreuzordensschwestern geprägt ist. Marlene und Emma erfahren Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund ihrer Herkunft und ihres “Standes“, erleben ihre erste große Liebe, Enttäuschungen, Sorgen und Nöte der damaligen Zeit, spüren die Unterschiede der verschiedene Klassen am eigenen Leib, haben mit Intrigen zu kämpfen und letztendlich wird ihre Verbundenheit auf eine harte Probe gestellt zumal die beiden Schwestern scheinbar verschieden Vorstellungen ihrer Zukunft haben. 

Der Autorin ist hier aus meiner Sicht ein wirklich guter Roman gelungen, der mich mit auf eine Reise in die Vergangenheit nimmt, mir verdeutlicht mit welchen Sorgen und Nöten die Menschen damals, kurz vor dem ersten Weltkrieg zu kämpfen hatten, welche Klassenunterschiede es gab und wie stark die Leben der Personen, gerade von Frauen, davon abhängig gewesen sind. Und dies alles ist eingebettet in wirklich hervorragend historisch recherchierte Szenen, die so gut be- und geschrieben sind, dass ich das Gefühl habe, ein Teil davon zu sein. Bravourös. Ich freue mich auf den Folgeband. Klare Leseempfehlung. 

„Hinter diesen Türen“

V. Ruth Ware, erschienen im dtv Verlag, übersetzt v. Stefanie Ochel

Spannend mit überraschendem Ende

Danke an netgalley und den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar, das lesen durfte. 

Das Cover ist sehr ansprechend und interessant gestaltet. Dadurch, dass ich direkt durch ein Schlüsselloch schaue, habe ich -zusammen mit dem Titel „hinter diesen Türen“- das Gefühl, direkt in die Geschichte gezogen zu werden. Für mich ist das Cover ein absoluter eyecatcher.

Ruth Ware hat einen, für mich sehr guten Erzähl-/Schreibstil, was ein flüssiges Lesen zur Folge hat. Die Geschichte ist wirklich spannend geschrieben. Was mir sehr gut gefällt ist der Umstand, dass ich das Buch aus Sicht der Protagonistin Rowan Caine lese, die offensichtlich im Gefängnis sitzt und einem Strafverteidiger einen Brief schreibt und darin versucht, ihm ihre Geschichte zu erklären. 

Rowan Caine bekommt eine Stelle als Kindermädchen in Schottland. Was zunächst sehr einladend und ob des zu erwartenden Gehalts phantastisch klingt, entpuppt sich alsbald als Rowans persönlicher Alptraum. Hier muss ich kurz dazu sagen, dass ich mich wirklich die ganze Zeit über die Hauptprotagonistin Rowan aufgeregt habe. Aufgrund ihres, teilweise dilettantischen Verhaltens im Haus, den Kindern und der „Teilzeithaushälterin“ Mrs. Mc Kenzie gegenüber, waren mir hier und da die Folgen ihres Verhaltens ziemlich klar und ich wäre am liebsten ins Buch gesprungen um sie zu schütteln und ihr mal so einiges zu erzählen. Aber das nur am Rande erwähnt. 

Die Situation im Haus finde ich von Anfang an sehr bedrückend und irgendwie düster, obwohl es ein, auf die modernste Art und mit „High-Smarthome-Technik“, umgebautes altes schottisches Landhaus ist. Alles funktioniert „App-gesteuert“. Aber irgendwas schwebt die ganze Zeit unterschwellig dunkel über dem Haus, der Familie und der Geschichte. Ich empfand es sehr beklemmend. 

Der Autorin gelingt es wirklich sehr gut die Spannung durch alle , recht angenehm kurzen, Kapitel aufrecht zu erhalten und ich will sofort wissen, wie es im nächsten Kapitel weitergeht. Für mich ein pageturner. 

Rowan muss gleich nach Beginn in ihrem neuen Job, allein klar kommen, da ihre Arbeitgeber beruflich verreisen müssen. Und so steht sie da mit drei Kindern und zwei Hunden und ich werde das Gefühl nicht los, dass irgendetwas nicht stimmt; mit den Kindern, dem Haus und ihr selbst. 

Seite um Seite komme ich meinem Verdacht etwas näher und da Rowan ihren Brief aus dem Gefängnis schreibt, scheint im Haus ja etwas passiert zu sein. Und das ist , so glaube ich das geniale an dieser Geschichte, denn ich beginne von Anfang an mit zu rätseln, was wann und wo passiert sein könnte und so entstand für mich eine absolute Sogwirkung; angefangen vom Buchcover bis zur letzten Seite. Und am Ende erwartet mich dann das Unerwartete und lässt mich überrascht zurück. 

Ein spannendes Buch, das eine klare Leseempfehlung bekommt.

„Frauen, die Bärbel heißen“

Von Marie Reiners, erschienen im Fischer Verlag

Skurill und extrem schwarzer Humor, toll!


Bärbel Böttcher ist 54 Jahre, ledig hat keine Kinder aber eine Hündin namens Frieda. Und beide leben abgelegen am Rande der Stadt. Bärbel ist eine Eigenbrötlerin, findet das gut, meidet Kontakte zu anderen Menschen und ist am liebsten mit ihrer Hündin allein. Das war auch gut so, bis zu dem Tag, an dem Bärbel beim Gassi gehen ein Stöckchen für Frieda findet, was allerdings im Auge eines toten Mannes steckt. Das bedauert Bärbel zutiefst, denn es wäre das perfekte Stöckchen für Frieda. 

Bärbel und ihr Hund stapfen am Tatort umher, bevor sie dann die Polizei informieren. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf und ab dem Zeitpunkt verändert sich Bärbels Leben schlagartig.

Marie Reiners ist hier ein leicht zu lesender, irrwitzig, skuriller Krimi gelungen. Ein Buch dass sich ob seines flüssigen Schreibstils sehr gut lesen lässt und ist für mich ein gutes Buch zur Unterhaltung für zwischendurch. Ich habe mich köstlich amüsiert. 

Bärbel finde ich wirklich schrullig. Manchmal wirkt sie einfältig ob der Einsamkeit in der sie lebt und dann wiederum ist sie so gewieft und hat schräge Ideen, um aus dieser Geschichte wieder heraus zu kommen, in die sie sich aber immer weiter hinein bugsiert, da ihr immer noch mehr schräge Situationen und Entscheidungen das Leben schwer machen. Zugegeben, ihre Ideen führen dann nicht immer zum gewünschten Erfolg. 

Bärbel verstrickt sich immer weiter in den Mordfall, entdeckt Zusammenhänge, kommt hinter die Geschichte und wird am Ende selbst von der Polizei gesucht und ist dann plötzlich auf der Flucht; aber nicht allein, denn nicht nur ihre Hündin ist bei ihr.

Eine turbulente, schwarze Komödie, die mir richtig gut gefallen hat. 

„Die Mauer“

von John Lanchester, erschienen im KlettCotta Verlag, übersetztes dem Englischen v. Dorothee Merkel

Dystopie; gute Idee aber leider sehr langweilig

Ein Buch, dass mit empfohlen wurde und da war ich dann doch enttäuscht, aber das kann ja mal vorkommen.

Worum geht es? Die Geschichte spielt in ferner Zukunft und ganz England ist von einer riesigen Mauer umgeben, die es zu verteidigen gilt. Die Mauer und die Verhältnisse, die damit einhergehen sind seit dem sogenannten „Wandel“ so. Und alle jungen Engländer müssen, egal ob männlich oder weiblich, ihren zweijährigen Dienst auf der Mauer ableisten. Ziel dieses Dienstes ist es „die Anderen“, also all diejenigen, welche nicht innerhalb der Mauer leben, am eindringen zu hindern, sprich abzuwehren und letztendlich auch zu töten. Sollte dies nicht gelingen, und „die Anderen“ können eindringen, werden die Verteidiger als Strafe aufs Meer verbannt.

Grundsätzlich kein schlechtes Thema, wie ich finde, aber aus meiner Sicht völlig an einem guten, spannenden Roman vorbei geschrieben. Der Klappentext erwähnt Parallelen zur aktuellen Einwanderungspolitik, Migranten und auch dem Brexit was ich allerdings überhaupt nicht so empfinde beim Lesen. Der Roman ist für mich alles andere als politisch und auch die Erwähnung im Klappentext von „hochgradig spannend“ kann ich nicht nachvollziehen.

Den Schreibstil des Autors finde ich ja noch in Ordnung, aber dann verlässt mich die Euphorie. Aus meiner Sicht wären spannende Momente da gewesen, die hätten wesentlich intensiver beschrieben werden können – sogar müssen. Aber so plätschernde Geschichte von einer Belanglosigkeit zur nächsten und das schlechte Wetter auf der Mauer schein die einzige Konstante im Roman zu sein.
Mir war der erste Teil „auf der Mauer“ zu langatmig, zu langweilig und zu wenig aufregend. Der zweite Teil „Die Anderen“ war dann leider auch nicht spannender, denn ich hätte gern erfahren, warum die Mauer da ist, warum die „Anderen“ auf dem Meer umherirren und hinter die Mauer wollen und wer die „Anderen“ denn überhaupt sind und wo sie herkommen. Und dann im dritten Teil „Das Meer“ erfahre ich auch nicht wirklich etwas wichtiges, spannendes, etwas das mich mitreißt, mich mitnimmt auf eine tolle, aufregende und spannende Reise. Vielmehr verliert sich die Geschichte immer mehr in belanglosen Handlungen, und die möglichen spannenden Momente werden dann, meines Erachtens durch extrem schwache Dialoge und schwache Charaktere zunichte gemacht. Und das Ende? Na ja, was soll ich sagen…….anders als erwartet, aber alles in allem ist „die Mauer“ für mich nicht das was ich mir erwartet oder erhofft hatte. Wirklich sehr schade. Deshalb nur noch zwei von fünf *. Sorry

„Tot bist Du perfekt“

V. JP Delaney, erschienen im PiperVerlag, übersetzt aus dem Englischen v. Sibylle Schmidt

Spannend mit erstaunlichem Erzählstil

Abbie wacht auf und ihr Mann Tim, ein erfolgreicher IT-Unternehmer steht neben ihr. Er weint, weil seine  Frau, die er vergöttert noch am Leben ist.
Abbie vermutet, dass sie einen Unfall hatte, doch weit gefehlt. Es ist eine spannende Geschichte, bei der ich nicht nur das Ende ganz anders erwartet habe.
Die Art und Weise wie der Autor die Geschichte erzählt ist aus meiner Sicht genial und für mich bis jetzt einzigartig, denn zum einen schreibt der Autor vom „Du“ und meint also mich als Leser damit, und zum anderen erzählt jemand im Buch die Story als „wir“ – also bin ich als Leser wieder ein Teil dieses „Wir-Teams-. Das ist meines Erachtens wirklich  sehr gelungen und das Buch lässt sich dadurch sehr flüssig lesen, ist wirklich interessant und spannend zugleich. Für mich ein „Pageturner“.
Zurück zur Geschichte: Abbie ist zwar am Leben, entdeckt ihr Leben aber plötzlich mit  anderen Augen. Wer ist sie wirklich, wer ist ihr Mann Tim, welche Vergangenheit haben sie tatsächlich und wie steht es um ihren, an Autismus erkrankten Sohn Danny?
Sie ahnt dass etwas nicht stimmt, aber ist sich nicht sicher was es ist. Stück für Stück kommt sie dahinter, welches Geheimnis sich um sie herum verbirgt.

Mein Fazit:

Es geht um KI und ich war absolut überrascht ob der Wendungen in der Geschichte. Auch die Frage, ob KI Gefühle und Empathie empfinden kann, wie sie eingesetzt wird und ob KI eines Tages den Menschen ersetzt, fand ich durchaus spannend. Für mich war es mal wieder ein Buch, dass ich nicht weglegen konnte/ wollte. Für mich ein spannender Thriller und eine klare Leseempfehlung.

„QualityLand“

V. Marc-Uwe Kling, erschienen um Ullstein Verlag

Absolut genial

Die Zeit schreibt: „eine Gesellschaftssatire zum Totlachen, für alle, die noch nicht tot sind“.

Willkommen in QualityLand. So beginnt nicht nur die Werbung, sondern auch das ein oder andere Kapitel im Buch. Und was soll ich sagen? Ich war begeistert und verärgert zugleich!

Begeistert vom HörBuch und enttäuscht ob der Tatsache, es nicht schon viel eher gelesen/gehört zu haben.

Nur kurz zum Inhalt:

Beschrieben wird unser Land in nicht all zu ferner Zukunft. Es heißt nicht mehr Deutschland sondern QualityLand, und ist gespickt mit Humor, Pointen und ist doch extrem gesellschaftskritisch. Einerseits beängstigend, andererseits belustigend. Nur bin ich mir nicht ganz sicher was überwiegt. Sicherlich siegt im Moment des Lesens der Humor. Aber dennoch schwebt unterschwellig das Damoklesschwert über einem, wenn man wirklich über die beschriebenen Szenen im Buch nachdenkt. Und das sollte man nicht nur, man muss es sogar.
In der Geschichte geht es um Peter Arbeitsloser. In QualityLand heißen die Menschen nicht mehr Meier, Müller oder Schulze, sondern die Nachnamen sind nach dem Beruf des Vaters (bei Männern) und dem Beruf der Mutter (bei Frauen) zum Zeitpunkt der Geburt gewählt. Geniale Kombi! So z.B. Julia Nonne 😂
Wir lernen auch dass es Drohnen mit Höhenangst gibt, einen eitlen Sexroboter oder ein Tablet namens „Pink“.
Es ist unterm Strich eine Satire, welche sich mit den Algorithmen, Cookies, der Digitalisierung, dem größten Onlinehandel genannt „the Shop“, oder aber auch mit den Gefahren der Digitalisierung beschäftigt. Und wir stellen sehr schnell die Parallelen zu unserem jetzigen Leben fest.
Erschreckend und faszinierend zugleich. Ich mag den Humor von Marc-Uwe Kling, ich liebe die irrwitzig abgefahrenen, extrem verschachtelten Dialoge und bin begeistert vom Spiegel, der mir hier seitenweise vorgehalten wird.
So kurzweilig und humorvoll, hintersinnig und ironisch ist das (Hör)Buch aus meiner Sicht ein absolutes „Muss“. Nur wirklich schade, dass ich es erst jetzt gehört habe. Absolute Lese- oder noch besser Hörempfehlung.

In diesem Fall, 5 von. 5 *

„Sieben Richtige“

Von Volker Jarck, erschienen im S. Fischer Verlag

Ein verwirrendes Buch über das Leben

Zunächst erst einmal vielen lieben Dank an netgalley und den Fischer Verlag für dieses Rezensionsexemplar, dass ich lesen durfte.

Sieben Richte oder ein sechster im Lotto, so könnte man die Geschichte vielleicht kurz beschreiben.
Das Cover finde ich ansprechend und auch der Titel hat mich neugierig gemacht.
Der Roman wird beschrieben als unterhaltend und berührend. Ja unterhalten hat er mich auch teilweise aber leider nicht berührt. Allerdings zeigt der Roman auf, dass viele Augenblicke im Leben wesentlich mehr sind als nur Zufälle und wie diese dann miteinander verbunden sein können. Das macht den Roman wirklich interessant.
Der Schreibstil ist wirklich flüssig und lässt sich gut lesen. Aber, ja es kommt ein Aber, mir war die Geschichte dann letztendlich zu verworren. Gleich zu Anfang lernen wir die verschiedenen Charaktere im Buch kennen, und zwar ziemlich alle auf einmal. Mir war das dann „too much“ und es fiel mir echt schwer, den Überblick zu behalten. Hinzu kommt dann noch, dass Volker Jarck zeitlich durch verschiedene Jahrzehnte hin- und herspringt. Ich habe dann hier und da doch den Faden verloren und musste nochmal zurückblättern um den Zusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. Zum einen spielt der Roman in den 1980er Jahren und dann wieder in den 2030er Jahren. Das fand ich echt nicht einfach und bin daran leicht gescheitert und partiell verzweifelt, da diese Zeitsprünge ziemlich plötzlich auftauchen.

Zu Anfang kam es mir vor, als würde die Geschichte der einzelnen Charaktere unabhängig voneinander erzählt werden, aber im Laufe der Handlung werden die verschiedenen Beziehungen zueinander deutlich und man begegnet ihnen in unterschiedlich verknüpften Situationen wieder und man merkt wie diese Charaktere dann auf so unterschiedliche Weise doch sehr eng miteinander, auch teilweise unabsichtlich, verknüpft sind. So wie das Leben eben nunmal ist. Eine Aktion zieht eine Reaktion nach sich. Und interessant fand ich dann tatsächlich wie die vielen Charaktere miteinander verbunden sind und in welchem Zusammenhang sie stehen, und wie ihre Handlungen sich gegenseitig beeinflussen. Aber andererseits fand ich gerade das dann auch wieder schwere Kost.

Ich habe mich, ob der für mich verwirrenden Handlungs- und Zeitstränge echt schwer getan mit dem Roman. Ich mag den Schreibstil und die Idee dahinter, wie doch im Leben alles miteinander verbunden scheint und unser Handeln andere Menschen und deren Leben stark beeinflussen können. Leider war mir der Roman letztendlich aber dann doch zu verwirrend und deshalb gibt es dafür von mir nur drei von fünf *.