„Ich bleibe hier“

V. Marco Balzano, erschienen im Diogenes Verlag, übersetzt aus dem Italienischen v. Maja Pflug. Hier in der Lizenzausgabe der Büchergilde Gutenberg.

David gegen Goliath

Es ist ein bemerkenswerter Roman, der Marco Balzano hier gelungen ist.  Auf nur 280 Seiten gelingt es dem Autor, die bedrückende Situation, die Sorgen und Nöte der Bauern Südtirols zu Zeiten des Faschismus und Nationalsozialismus detailliert und brillant festzuhalten. Die Geschichte handelt von Vertrauen, von Zusammenhalt, von der Bewusslosigkeit und Machtlosigkeit gegenüber des Regimes, aber auch vom Aufbruch in eine andere Ära.

Dabei verknüpft er die historisch, belegte und brutale Realität mit einer erdachten Geschichte um die Bewohner der Bergregion Südtirols. Dort soll ein Staudamm errichtet werden, bei dessen Fertigstellung einige Dörfer nicht mehr vorhanden sein werden. 

Als wäre die Zeit damals nicht schon schlimm genug gewesen, kommt nun auch noch die bevorstehende Umsiedlung und Zwangsenteignung der verorteten Bauern dazu. Das Ganze geschah tatsächlich und vor Allem ohne eine wirkliche Entschädigung der Bauern, welche ihres sämtlichen Hab und Guts beraubt wurden. 

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Lehrerin Trina Hauser, die unschlüssig zwischen Aufbruch und der Liebe zur Heimat schwankt. Der Schreibstil ist großartig. Einfach aber sehr berührend fesselt mich die Geschichte sofort ab der ersten Seite.

Ich wusste zwar, dass es am Reschenpass diesen großen See gibt, in dessen Mitte ein Kirchturm herausragt, der heute LEIDER nurmehr als Touristenattraktion für das eine oder andere Selfie herhalten muss, aber ich wusste bisher leider nichts über dessen Geschichte. Wenn man diesen Roman gelesen hat, wird man beim nächsten Halt am Stausee sicherlich anders darüber denken. 

Ein Absatz aus dem Buch beschreibt es ziemlich gut:

Auch die Wunden, die nicht heilen, hören früher oder später zu bluten auf. Die Wut, sogar über die erlittene Gewalt, ist wie alles dazu bestimmt, nachzulassen, sich etwas Größerem zu fügen, dessen Name ich nicht kenne. Man müsste die Berge befragen können, um zu erfahren, was hier geschehen ist“.

Ein toller Roman und eine definitive, klare Leseempfehlung. 

Ich habe den Roman in einer schön gebundenen Lizenzausgabe (siehe Abb.) der Büchergilde Gutenberg gelesen. Lesekultur pur!

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