„Mein Leben mit Martha“

von Martina Bergmann, erschienen im Eisele Verlag

Behutsam und gefühlvoll erzählt – eine Hommage an die Menschlichkeit

Es ist ein nicht allzu dickes Buch, aber das muss es auch nicht, denn die 225 Seiten sind wirklich gelungen.

Kurz zur Geschichte:

Martina, Buchhändlerin, knapp 40 Jahre alt, kümmert sich um Heinrich und Martha. Ein Pärchen. dass seit fast 40 Jahren zusammen lebt ohne verheiratet zu sein. Martha ist Mitte achzig, hat mit 50 promoviert und ist nun an Demenz erkrankt. Heinrich sagt immer, Martha sei in einer „poetischen Verfassung“ – so nennt er die Demenz. Als Heinrich stirbt kümmert sich Martina allein um Martha ohne mit ihr verwandt zu sein und ohne sie wirklich gut zu kennen. Es beginnt eine wunderbare Zeit, die die beiden unterschiedlichen Frauen erleben.

„Mein Leben mit Martha“ ist der Debutroman von Martina Bergmann und ihr gelingt hier etwas ganz Bezauberndes. Der Schreibstil kommt mit ganz leisen Tönen daher und ist so gefühlvoll ohne kitschig zu wirken, ehrlich und mitfühlend ohne Mitleid zu erregen und dabei noch mit einer Prise Humor versehen, die mich wirklich oft schmunzeln lässt ohne Martha lächerlich zu machen. Die Autorin begegnet Heinrich und auch Martha mit soviel Menschlichkeit und Respekt und auf Augenhöhe, dass es wirklich eine Freude ist, das Buch zu lesen. Und das solltet ihr.

Das Buch beschreibt die Aufs und Abs eines gemeinsamen Lebens und den fast zärtlichen, liebevollen Umgang mit einer an Demenz erkrankten Person. Auch die damit verbundenen Probleme, der Ärger mit den offiziellen Stellen, wenn es um die Pflege oder Vormundschaft geht. Sie beschreibt den Ärger mit den Nachbarn, die neidisch auf Martina sind, da sie nun das Haus von Heinrich hat. Das alles stellt die Autorin aber nicht in den Vordergrund, sondern es ist eher nebensächlich. Im Vordergrund steht ganz klar Martha. Martina stört sich nie an der Krankheit, an Marthas Vergesslichkeit, ihren Eigenheiten, vielmehr steht trotz der Krankheit Marthas Souveränität, ihr Wille sich durchzusetzen an erster Stelle. Martha schätzt andere Menschen in den ersten zehn Sekunden ihres Aufeinandertreffens richtig ein und kommuniziert dies auch auf eine herrlich ehrliche und zum Teil brachiale Weise. Martina hat nicht nur das Glück ein gutes, hilfsbereites Team auf Seiten der Gerichtsbarkeit und des Sozialdienstes zu haben sondern sie hat eine zwar kranke, aber sehr patente und liebenswerte, manchmal schrullige Martha an ihrer Seite.

Das Buch steht für mich als Hommage an die Menschlichkeit, das Miteinander und dafür, für einen Mensch uneigennützig da zu sein, nämlich dann, wenn es darauf ankommt.

Ich liebe dieses Buch und ich liebe Martha. Ich habe das Gefühl dazuzugehören, dabei zu sitzen und ihr zuzuhören, sie mitzuerleben, ein Teil von Marthas Leben zu sein. Es war ein wahres Lesevergnügen – ein Genuss.

Ich kann nur sagen: lest diese Buch!

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