„Altes Land“

von Dörte Hansen, erschienen im Knaus Verlag

Ein anrührender und bezaubernder Roman

Es ist bisher mein erster Roman aus der Feder von Dörte Hansen* und war ihr Debutroman. Kurz zur Geschichte: Seit mehr als sechzig Jahren lebt Vera Eckhoff im Alten Land. Damals als Flüchtlingskind aus Ostpreußen im Alten Land gestrandet und geblieben. Und obwohl Vera Eckhoff nun schon seit sechs Jahrzehnten dort wohnt, scheint sie nie wirklich angekommen zu sein. Dies ist aus meiner Sicht, ebenfalls eine Kernaussage dieses Romans. Wo und was ist Heimat? Wann komme ich an? Und eines Tages stehen wieder zwei „Flüchtlinge“ vor ihrer Tür. Ihre Nichte Anne mit ihrem Sohn Leon. Anne ist aus Hamburg geflohen, wo ehrgeizige „Vollwert-Eltern“ ihre Kinder wie Ausstellungsstücke vorzeigen und wo ihr Mann plötzlich eine Andere liebt. Zudem flüchtet Anne vor ihrer achso perfekten Mutter, die glaube ich ein jeder irgendwie kennt.

In der Geschichte dreht sich auch alles immer wieder um dieses alte Haus, in das Vera Eckhoff gezwungener Maßen damals eingezogen ist und seitdem in diesem alten Haus lebt.

„Sie wusste nicht, wie viele Menschen in diesen kalten Mauern schon gelebt hatten, es mussten neun oder zehn Generationen sein“……..“Junge Frauen waren in ihren Hochzeitskleidern in das Haus gekommen, durch die Brauttür, und hatten es in ihren Särgen wieder verlassen – durch dieselbe schmale Tür, die außen keine Klinke hatte, die nur geöffnet wurde beim Heiraten und beim Sterben“

Aber mir begegnen viele „knorrige“ Bewohner des Dorfes im Buch, von denen jeder seine eigene Geschichte, sein eigenes Schicksal hat. Und hier gelingt es der Autorin, diese Dorfbewohner so eigentümlich aber nichtsdestoweniger herzlich zu beschreiben. Sie werden durch den Schreibstil zu einem Leseerlebnis, dabei helfen die immer wieder vorkommenden Sätze und Aussagen im plattdeutschen Dialekt, („smöökt as een Damper“, „de kriggt keen af“) die mich schmunzeln lassen. Ich hatte immer das Gefühl, selbst dort zwischen den Apfelbäumen entlang zu gehen, das Haus selbst mitzuerleben und ein Teil dieser Dorfgemeinschaft zu sein.

Dörte Hansen gelingt es völlig unaufgeregt die Geschichte von zwei Einzelgängerinnen zu erzählen. Dies macht sie mit viel Charme, Humor und Tiefgang. Sie erzählt von den Dorfbewohnener mal ernst mal Humorvoll aber führt diese nie vor, sondern lässt uns mit einem liebenswerten Schmunzeln teilhaben am Alten Land.

Aus meiner Sicht ein Buch, für das man sich Zeit nehmen darf und muss und das es Wert ist gelesen zu werden. Nicht nur einmal!

*Quelle: Wikipedia

Infos zu Dörte Hansen findet ihr hier:

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