„Zwei fremde Leben“

Von Frank Goldammer, erschienen im dtv-Verlag

Erschreckend und spannend

Ich durfte dieses Rezensionsexemplar lesen und da die Wurzeln meiner Eltern in der ehem. DDR liegen, fand ich die Thematik besonders spannend.

Der Roman von Frank Goldammer spielt auf zwei verschiedenen Zeitachsen, was es für mich spannend macht. 1973 und 1993.

Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut, lädt zum „zugreifen“ ein und der Titel „zwei fremde Leben“ erweckt Neugierde und verspricht Spannung.

Der Roman ist flüssig geschrieben und durch den Wechsel der Zeitachsen findet man auch Cliffhanger, die einen dazu bringen unbedingt weiterzulesen. Das gefiel mir wirklich sehr gut. Die Kapitel haben eine angenehme Länge.Ein Kind wird vermisst. Ricarda entbindet 1973 ihr Kind und bekommt es nicht zu Gesicht, da es angeblich eine Todgeburt gewesen ist. Der behandelnde Arzt bei der Entbindung – Ricardas Vater.

Und schon nach kurzer Zeit wächst in Ricarda der Verdacht, dass ihr Vater für das Verschwinden verantwortlich ist. Eine Verschwörung oder nur eine Theorie von Ricarda oder doch eine staatlich beauftragte Kindesentfernung?

Alles scheint sich gegen Ricarda zu stellen. Ihre Eltern, ihre Freunde, sogar ihr Ehemann suggeriert ihr, dass sie sich alles nur einbildet.

1993 erfährt Claudia mit 16 Jahren, dass sie nicht das leibliche Kind ihrer Eltern ist und sofort ist mir klar, dass sie Ricardas Tochter sein muss. Oder doch nicht? Die beiden Zeitachsen wachsen im Verlauf des Buches von Kapitel zu Kapitel immer weiter zusammen, bis die beiden Frauen schließlich aufeinander treffen.

Die Charaktere im Buch sind wirklich gut dargestellt und ich fühlte mit der Hauptprotagonistin Ricarda stets mit. Ich wäre gern ins Buch gesprungen und hätte ihr so gern geholfen. Hätte ihr hier und da auch geraten, einen anderen Weg zu gehen. Das Buch hat mich wirklich gut abgeholt und mitgenommen. Die anderen Charaktere im Buch sind ebenfalls gut und undurchsichtig dargestellt. Lediglich der Polizist Thomas Rust hätte für meine Begriffe besser und intensiver dargestellt werden können und hier hätte das Buch durchaus 200 Seiten mehr vertragen können. Mir fehlte ein wenig Licht im Dunkel, was Thomas Rust in dieser Zeitspanne alles mitgemacht hat. Das war mir zu wenig.

Insgesamt schafft es Frank Goldammer jedoch hervorragend und packend zu beschreiben, wie die Bürger mit der Staatsmacht des damaligen Regimes klein gehalten wurden, wie Furcht und Misstrauen gesät wurden und wie die Angst stets wie ein Damoklesschwert über den Bürgern schwebte, so dass man nie wusste, wer Freund und wer Feind ist.

Ein gelungener Roman über die erschreckenden Zustände eines damaligen Regimes, dessen Ziel es war, die Menschen jederzeit und überall überwachen zu können.

4 Kommentare zu „„Zwei fremde Leben“

    1. Hallo Katharina,
      Definitiv kann ich das Buch, auch ohne direkten Bezug in/zur ehem. DDR empfehlen. Vielleicht auch gerade deshalb, da diese Umstände, welche im Buch beschrieben sind, wohl den wenigsten Menschen bekannt sein dürften. Auch in Hinblick, dass dieses Stück deutscher Geschichte noch nicht allzu lange her ist. Aus meiner Sicht ist das Buch auch für jüngere Leser geeignet.
      Liebe Grüße
      Norbert

      Liken

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